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02.04.2017, 16:59 Uhr NEUER REKORD

So viele Pendler wie nie: Das Märchen wird entzaubert

Kommentar von Marion Trimborn

Die Zahl der Pendler hat in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht. Foto: 

            
Foto: dpa-tmn/Bodo MarksDie Zahl der Pendler hat in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht. Foto: Foto: dpa-tmn/Bodo Marks

Osnabrück. Die Mär vom Pendeln geht so: Wer zum Job pendelt, ist modern, dynamisch und flexibel. Wirklich? Für wen fühlt sich das denn so an? Gerade in Städten und Ballungszentren steht das ach so moderne Pendeln für Stress und Hektik.Weil der Staat versagt. Ein Kommentar.

Volle Bahnen und Busse, die gerade bei schlechtem Wetter Verspätung haben oder ausfallen, verstopfte Autobahnen und Dauerstaus. Der Staat hält seine Versprechen nicht, baut Straßen und Bahnlinien nicht aus und sorgt nicht für bezahlbare Wohnungen.

Während sich die Wirtschaft den superflexiblen Arbeitnehmer wünscht und viele Firmen ihren Sitz in den Städten haben, wohnen Arbeitnehmer oft weiter draußen - aus purer Not. Denn da, wo die Jobs sind, sind die Mieten durch die Decke gegangen. Kein Wunder, dass ausgerechnet München ganz oben auf der Pendler-Hitliste steht: Wer kann es sich leisten, 2000 Euro Miete für eine Dreizimmer-Wohnung oder eine Million Euro für eine Haushälfte zu zahlen?

Pendeln frisst deshalb Zeit und somit auch Nerven. Wer auch nach dem Sitzen im Büro noch im Auto oder Zug hockt, hat öfter Übergewicht und Rückenprobleme. Dem fehlt Zeit für die Familie, für Hobbys und Sport. In Zukunft werden noch mehr Menschen pendeln müssen, auch weil befristete Verträge zunehmen, für die der Umzug wirklich nicht lohnt. Das geht solange, bis der Verkehrskollaps oder der persönliche Kollaps kommt.


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