„Pflegequalität auf dem Spiel“ SoVD warnt vor Freiwilligendienst-Missbrauch

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In einem Seniorenheim betreut ein junger Mann im Rahmen seines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) einen 83-Jährigen. Foto: dpaIn einem Seniorenheim betreut ein junger Mann im Rahmen seines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) einen 83-Jährigen. Foto: dpa

Osnabrück. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will die 100000. Helferin im Bundesfreiwilligendienst ehren. Doch noch bevor es soweit ist, kommt Kritik vom Sozialverband Deutschlands. Der SoVD fordert Gesetze gegen den Missbrauch des BFD.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer: „Kommt diese Weichenstellung nicht, stehen sowohl die Pflegequalität vieler betroffener Menschen als auch die beeindruckende Hilfsbereitschaft der Freiwilligen auf dem Spiel. Es darf nicht sein, dass einfach nur das wachsende Freiwilligenheer missbraucht wird.“

Damit fährt der Verband Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in die Parade, die am Mittwoch die 100000. Helferin im BFD ehren will. Die Abiturientin aus Berlin will ihren Dienst im Stadtmuseum absolvieren – und soll eine Sonderurkunde der Ministerin erhalten. „Die Politik darf hier nicht mit Jubelarien über wachsende Freiwilligenzahlen ablenken“, sagte Bauer.

Seit dem Auslaufen der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 ersetzt der BFD den Zivildienst. Die im Westen meist jungen „Bufdis“ erhalten für die Arbeit etwa in Krankenhäusern oder Behindertenheimen ein Taschengeld von maximal 348 Euro monatlich.

Bauer erklärte, in den Alten- und Pflegeheimen reichten Bereitschaft und guter Wille an vielen Stellen nicht aus, um ausgebildete Fachkräfte zu ersetzen, „Zudem droht Gefahr in den Krankenhäusern, da die Zahl des Personals im nichtärztlichen Dienst seit Jahren sinkt.“

In Osnabrück sind die Plätze für den Dienst meist ausgebucht. „Die Stellen sind alle besetzt, und wir haben eine Warteliste von 30 bis 40 Leuten“, sagte Ann-Cathrin Röttger, Leiterin der Arbeitsstelle Freiwilligendienste von Caritas und Bistum Osnabrück. Demnach stehen je 180 Plätze für den BFD und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) pro Jahr zur Verfügung. Etwa zwei Drittel der „BFDler“ seinen Frauen. „In der Regel läuft die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen gut, aber es kann auch von beiden Seiten schiefgehen“, erklärte sie.

Auch das Diakoniewerk Osnabrück berichtet von einer starken Nachfrage, vor allem unter Jüngeren, die Orientierung suchten. „Wir haben für unseren Verband das gesamte Kontingent an Plätzen bereits ausgeschöpft“, erklärte die Leiterin des Personalwesens, Anna Schwegmann. Eigentlich würde sie gerne 31 Plätze pro Jahr zur Verfügung stellen. Doch aktuell könne sie nur zehn besetzen.


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