Prägende Figur jüdischen Lebens Biografie über Hermann Helfgott entsteht

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hermann Helfgott im Osnabrücker Gefangenenlager OFLAG VIc Eversheide. Foto: Archiv Yad YashemHermann Helfgott im Osnabrücker Gefangenenlager OFLAG VIc Eversheide. Foto: Archiv Yad Yashem

Osnabrück. Eine außergewöhnlich prägende Persönlichkeit für das deutsch-jüdische Leben im Nachkriegsdeutschland war Hermann Helfgott/Zvi Asaria. Die Fritz Thyssen-Stiftung unterstützt nun eine Biografie an der Universität Osnabrück.

Auch wenn er heute nicht mehr so bekannt ist wie damals: Eine außergewöhnlich prägende Persönlichkeit für das deutsch-jüdische Leben im Nachkriegsdeutschland war Hermann Helfgott/Zvi Asaria. „Um so erstaunlicher ist es, dass es über diesen bedeutenden Mann bislang keine Biografie gibt“, sagt der Historiker Prof. Christoph Rass von der Universität Osnabrück im Gespräch. Dem soll nun am Osnabrücker Institut für Migrationsforschung abgeholfen werden – mit finanzieller Unterstützung der Fritz Thyssen-Stiftung.

Hermann Helfgott wurde 1913 im serbischen Banat geboren, studierte Theologie in Sarajevo und semitische Philologie in Wien. Er trat als Militärrabbiner in die jugoslawische Armee ein, geriet 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft, überlebte die Todesmärsche und geriet nach drei Jahren in Lagern in Straßburg, Nürnberg und Pommern auch in ein Offizierslager in Osnabrück.

Rabbiner in Bergen-Belsen

Nach der Befreiung durch die britische Armee arbeitete er als Rabbiner in Nienburg, stand direkt nach dem Zweiten Weltkrieg den Überlebenden im Konzentrationslager Bergen-Belsen auch religiös bei und wurde von dort aus immer bekannter, so Christoph Rass im Gespräch.

Helfgott wurde 1947 zum Oberrabiner der britischen Zone ernannt, wirkte dann als Rabbiner in Köln und gründete dort gemeinsam mit Heinrich Böll die jüdische Bibliothek. Er wanderte in den 40er Jahren in Israel ein, bekam den Namen Zvi Asaria, arbeitete als Rabbiner auch im israelischen Savyons und schließlich als Landesrabbiner Niedersachsens.

„Er hat enorm viel für die deutsch-israelische und deutsch-jüdische Gesellschaft getan“, betont Christoph Rass. Mit großer Überzeugung in der Sache habe er sich früh zum Pendeln zwischen beiden Ländern entschieden und sei somit zum „Pionier beim Wiederaufbau des jüdischen Lebens“ geworden.

Bewegter Lebensweg

Für die Osnabrücker Migrationsforscher ist sein bewegter Lebensweg enorm aufschlussreich, weil er die Zerstörung der jüdischen Lebenswelt in Jugoslawien sowie die deutschen Verbrechen in der unmittelbaren Nachkriegszeit erlebt und sich dafür eingesetzt hat, wie jüdisches Leben dennoch weitergehen kann. In Wien, in Jugoslawien, im Banat, in Deutschland oder Israel: Überall habe Helfgott/Asaria punktuell Spuren hinterlassen, so auch neben zahlreichen Schriften auch Interviews mit ihm und autobiografische Aufzeichnungen, die nun die Biografie mit Aussagen Dritter ins Verhältnis bringen müsse.

Für das internationale Thema sind Recherchen in Israel, den USA, Großbritannien und Deutschland nötig. Die Wissenschaftler kooperieren eng mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen .


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN