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Lebensmittelsicherheit Mineralöl in Lebensmitteln - Foodwatch greift Bundesregierung an

Von Marion Trimborn

Auch in Nudeln finden sich oft Rückstände von Mineralöl aus der Verpackung. Foto: dpaAuch in Nudeln finden sich oft Rückstände von Mineralöl aus der Verpackung. Foto: dpa

Osnabrück. Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft der Bundesregierung vor, den besseren Schutz der Verbraucher vor Mineralöl-Rückständen in Lebensmitteln zu verzögern.

Seit sieben Jahren boykottierten deutsche Behörden die europäische Zusammenarbeit und übermittelten ihre Laboranalysen nicht an die EU, so die Verbraucherschützer. Foodwatch beruft sich dabei auf Schreiben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, die unserer Redaktion vorliegen. Foodwatch-Experte Johannes Heeg sprach von einer „traurigen Behördenposse“ und kritisierte: „Während sich Deutschland offiziell für eine europäische Lösung stark macht, hintertreibt es diese gleichzeitig.“

Seit 2010 sollen Daten gesammelt werden

Laut Foodwatch hat die Behörde EFSA bereits 2010 alle EU-Staaten aufgefordert, Daten zur Mineralölbelastung zu sammeln und weiterzugeben. Die deutschen Behörden hätten 2011 bis 2015 mehr als 400 Lebensmittelproben auf Mineralölrückstände untersucht, aber nicht an die EFSA geschickt. Grund dafür sei, dass die Behörden in Bund und Ländern die jeweils anderen Stellen in der Verantwortung sähen. Auch die anderen EU-Staaten seien der EFSA-Aufforderung nicht nachgekommen, viele verfügten aber gar nicht über Daten. Foodwatch kritisierte die deutsche Praxis mit den Worten: „Die Behörden verheddern sich im Zuständigkeitswirrwarr. Die Leidtragenden sind die Verbraucher.“ Dabei betonte das Bundeslandwirtschaftsministerium in einem Schreiben an Foodwatch, man unterstütze „nachdrücklich“ eine Regelung auf EU-Ebene und habe dieses Anliegen „bereits mehrfach“ an die EU-Kommission herangetragen.

Strengere Grenzwerte gefordert

Foodwatch fordert von der EU-Kommission, strenge Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln zu erlassen. Außerdem müsste für Lebensmittelpackungen aus Papier eine sogenannte „funktionelle Barriere“ vorgeschrieben werden, die verhindere, dass Mineralöl in die Produkte eindringen kann. Dies könnte ein separater Innenbeutel oder eine Schicht, die in den Karton integriert wird, sein.

Mehr als 115 000 Bürger in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden würden diese Forderung über eine E-Mail-Protestaktion unterstützen.

Mineralöl in Schokolade, Reis und Nudeln

In den vergangenen Jahren hatten Verbraucherschützer und Gesundheitsämter immer wieder Mineralölreste in Schokolade (etwa in Adventskalendern), Reis, Gries und Nudeln gefunden. Sie gehen oft aus recycelten Altpapier-Kartons, deren Druckfarben Mineralöl enthalten, auf die Ware über. Mineralölrückstände stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte im Dezember angekündigt, dass er Mineralöle aus Lebensmitteln verbannen und einen gesetzlichen Grenzwert festlegen will. Ob eine Mineralölverordnung bald kommt, ist aber fraglich. Das Ministerium arbeitet bereits seit Jahren daran.

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