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08.03.2017, 17:05 Uhr KOMMENTAR ZU NEUER SUCHE NACH ENDLAGER

Wer will schon auf einem Atomklo wohnen?

Ein Kommentar von Uwe Westdörp


Castoren mit verbrauchten Kernbrennstäben im Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen (Bayern). Foto: dpaCastoren mit verbrauchten Kernbrennstäben im Zwischenlager des Kernkraftwerks Gundremmingen (Bayern). Foto: dpa

Osnabrück. Atomklo gesucht: Bis zum Jahr 2031 soll in Deutschland ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gefunden sein. Das kann man glauben, muss man aber nicht. Ein Fortschritt ist in jedem Fall, dass die Politik aus Fehlern der Vergangenheit lernen will.

Wohin mit dem hoch radioaktiven Atommüll? Die Antwort auf diese Frage steht nach wie vor in den Sternen. Das Standortauswahlgesetz von Union, SPD und Grünen schafft nun zwar die Basis für einen Neustart der Endlagersuche. Doch ist das zunächst nicht mehr als die Korrektur eines schweren Fehlers.

Die politische Festlegung auf ein mögliches Endlager Gorleben war nackte Willkür. Sie wirkt heute wie ein Relikt aus autoritären, vordemokratischen Zeiten.

Das neue Suchverfahren ist eindeutig besser, denn es soll ergebnisoffen sein, setzt auf Transparenz und Bürgerbeteiligung und folgt strengen wissenschaftlichen Kriterien. Das ist umso wichtiger, als der Staat am Ende dieselben Fragen beantworten muss, die auch die Menschen in Gorleben gestellt haben: Warum gerade hier? Warum bei uns?

Doch wie geeignet ein Standort auch sein mag: Es ist wieder massiver Widerstand in der Bevölkerung zu erwarten. Denn es gibt wohl niemanden in Deutschland, der auf Massen von hoch radioaktivem Müll leben will. Und so wird es am Ende wieder eine politische Entscheidung geben – und viele Menschen, die sich als Verlierer betrachten werden, weil man ihre Heimat zum Atomklo macht.

Schade, dass man den Atommüll nicht denjenigen vor die Tür stellen kann, die trotz aller Risiken nicht von der Atomtechnologie lassen wollten und wollen.


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