Vergewaltigung und Enthauptung Sind die Trump-Karnevalswagen geschmacklos?

Auf dem einen Wagen in Düsseldorf  kniet der US-Präsident mit hochrotem Kopf hinter der ebenfalls knieenden Freiheitsstatue. Ein zweiter Wagen löst die Situation auf: Die siegreiche Freiheitsstatue hält Trumps abgeschlagenen Kopf in die Höhe. Foto: dpaAuf dem einen Wagen in Düsseldorf kniet der US-Präsident mit hochrotem Kopf hinter der ebenfalls knieenden Freiheitsstatue. Ein zweiter Wagen löst die Situation auf: Die siegreiche Freiheitsstatue hält Trumps abgeschlagenen Kopf in die Höhe. Foto: dpa

Erlangen. Die Düsseldorfer Karnevalswagen mit US-Präsident Donald Trump sind aus Sicht eines Medienethikers problematisch.

„Die recht drastische Darstellung einer Vergewaltigungsszene der Freiheit durch den amerikanischen Präsidenten finde ich nicht sonderlich originell und schon gar nicht witzig“, sagte Christian Schicha am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Schicha hat eine Professur für Medienethik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Auf dem einen Wagen kniet der US-Präsident mit hochrotem Kopf hinter der ebenfalls knieenden Freiheitsstatue. Trump versuche sie zu missbrauchen, erklärte Wagenbauer Jacques Tilly die Szene. Ein zweiter Wagen löst die Situation auf: Die siegreiche Freiheitsstatue hält Trumps abgeschlagenen Kopf in die Höhe. Auf ihrem Gewand steht die Aufforderung: „America Resist!“ - (Amerika, leiste Widerstand!). (Weiterlesen: Die politischen Wagen beim Karneval 2017 im Rheinland)

Der Karneval sei durchaus geeignet, durch eine entsprechende Wagengestaltung auch drastisch Kritik an Missständen zu üben, sagte Schicha. Dabei müsse aber unter anderem auch der Jugendschutz beachtet werden. Kinder, die den Rosenmontagszug verfolgten, könnten durch die brutale Szenen verstört werden. Beim Motiv des zweiten Karnevalswagen sei „die Analogie zu den brutalen IS-Enthauptungsszenen gegeben“.

Erinnerung an „Spiegel“-Cover

Schicha erinnerte in diesem Zusammenhang an das Titelbild des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, auf dem Trump in der einen Hand den blutenden Kopf der Freiheitsstatue und ein Messer in der anderen Hand hält. (Weiterlesen: „Spiegel“-Cover mit Trump als Henker sorgt für Diskussionen)

Das „Spiegel“-Cover, auf dem Trump in der einen Hand den blutenden Kopf der Freiheitsstatue und ein Messer in der anderen Hand hält, sorgte ebenfalls für Kontroversen. Foto: dpa

„Während beim „Spiegel“ noch das abstrakte Symbol des Kopfes der Freiheitsstatue als „Opfer“ gewählt worden ist, ist beim Wagenmotiv ein Mensch „umgebracht“ worden“, sagte er. „Dieses symbolisch dargestellte brutale Abschlachten steht gerade nicht für einen zivilisierten Umgang mit Tätern, sondern für Selbstjustiz und Barbarei.“


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