Schimpfender US-Präsident vor der Presse Wie diese drei Journalisten Trump auflaufen ließen

Von Meike Baars

Live der Falschaussage überführt: Donald Trump vor der Hauptstadt-Presse. Foto: Imago/UPI PhotoLive der Falschaussage überführt: Donald Trump vor der Hauptstadt-Presse. Foto: Imago/UPI Photo

Osnabrück. Falsche Fakten, Ausflüchte, Beleidigungen: Donald Trump behandelte die Presse im Weißen Haus wie ungezogene Kindergartenkinder. Die Journalisten ließen das nicht auf sich sitzen. Im Gegenteil. Sie schalteten auf Angriff. Drei Beispiele.

Es war ein neuer Tiefpunkt im Verhältnis von Donald Trump zur US-amerikanischen Hauptstadt-Presse: Gerade vier Wochen im Amt nutzte der US-Präsident ein Briefing im Weißen Haus erneut für eine Generalabrechnung mit dem politischen Journalismus. CNN, BBC, die ehrwürdige New York Times: ein Haufen Fake-News-verbreitender Unprofessioneller, die der Bevölkerung die Errungenschaften der Trump-Regentschaft vorenthalten würden, so der Multimilliardär.

Doch es sollte sich zeigen, dass der US-Präsident seine Fakten selbst nicht so parat hält, wie es nötig wäre, um kritische Nachfragen der bestens informierten Washington-Korrespondenten abzuwehren. Drei Journalisten zeichneten sich am Donnerstag besonders aus, als sie Trumps Antworten nicht gelten ließen – und dem Präsidenten vor laufenden Kameras Kontra gaben. (Weiterlesen: Trumps Aussagen im Faktencheck)

1. NBC-Journalist unterzieht Trumps Falschaussage einem Live-Fakten-Check

Der offenen Fragerunde durch die Journalisten schickte Trump ein Statement voran, das seine erfolgreiche Arbeit der vergangenen Wochen zusammenfassen sollte. Auch auf seinen schon jetzt historischen Wahlsieg ging der amtierende US-Präsident ein – doch in der Einordnung der entsprechenden Dimensionen sollte er sich vertun. Er habe die meisten Wahlmännerstimmen geholt seit Ronald Reagan, führte Trump aus – und lag damit ziemlich daneben.

Doch die Fake-News gescholtene Hauptstadtpresse ließ ihn damit nicht durchkommen. Peter Alexander von NBC-News meldete sich zu Wort. Sowohl beide Wahlsiege Barack Obamas, Bill Clintons Wahlerfolge und der Wahlsieg von George W. Bush 1988 seien von mehr Wahlmännerstimmen getragen gewesen als Trumps Ergebnis. „Also, ich sprach ja nur von Republikanern“, versuchte Trump sich aus der Affäre zu ziehen. Doch auch George W. Bush war ein Republikaner. „Warum sollte das amerikanische Volk Ihnen vertrauen?“, setzte Alexander nach. Er habe die Information so bekommen, antwortete Trump. So oder so sei es ein erheblicher Sieg gewesen. „Können wir uns darauf einigen?“

„Sie sind der Präsident“, antwortete der NBC-Journalist.


2. Schwarze Journalistin: „Nicht alle Schwarzen kennen sich untereinander.“

Im zweiten Fall ging es um ein eigentlich eher randseitiges Thema in der jungen republikanischen Präsidentschaft: Stadtentwicklungspolitik. Eine schwarze Journalistin wollte wissen, ob Trump den „Black Congressional Caucus“ (CBC) einbinden werde bei Fragen, die die Entwicklung der urbanen Räume betreffen. Der CBC ist eine mächtige politische Institution in Washington, die die schwarzen Kongressmitglieder vertritt.

„Wen soll ich einbinden“, fragte Trump. Man muss ihm allerdings zugute halten, dass er die Abkürzung möglicherweise akustisch nicht verstehen konnte. Viele Journalisten riefen während der Pressekonferenz durcheinander.

Also wiederholte die Journalistin ihre Frage. „Ich sage Ihnen was: Wollen Sie ein Meeting vereinbaren? Sind Sie befreundet? Stellen Sie ein Meeting auf die Beine! Ich würde den Black Caucus gerne treffen“, versuchte Trump daraufhin, Nägel mit Köpfen zu machen. Die ungläubig-verzweifelte Antwort der Fragestellerin drang nicht mehr zu ihm durch. „Ich bin doch nur eine Reporterin. Ich kenne nur einige der Mitglieder.“

3. Fox-News-Journalist holt zum Gegenschlag aus

Der Sender Fox-News gilt unter Kennern als Haus- und Hofberichterstatter für die Grand Old Party der Republikaner – und auch Trump durfte sich bisher ziemlich sicher sein, bei den Fox-Journalisten auf wohlwollende Zustimmung für seine Vorhaben zu treffen. Bisher. Denn damit war nach der denkwürdigen Fragerunde im Weißen Haus Schluss. Nachrichtenmoderator Shepard Smith zeigte sich schier entsetzt von Trumps Auftritt – und hielt damit auch vor seinen Zuschauern nicht hinterm Berg. „Dieser Präsident sagt unwahre Dinge. Und er tut das jedes Mal, wenn er vor einem Mikrofon steht. Das ist nachweisbar.“

Was Smith aber fast noch mehr störte als die offensichtlichen Lügen des Präsidenten: Die Art und Weise, wie er wichtige Fragen von Journalisten abwimmelte, als seien es lästige Fliegen. Wie steht es um Trumps Verhältnis zu Russland? Was wusste Trump über die problematischen Russland-Kontakte seines Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn? Fragen, die zu beantworten sich der US-Präsident nicht herablassen wollte. Seine Verzweiflung über die Ausflüchte Trumps ließ Smith zu einem Appell an seine Journalistenkollegen ansetzen, bloß nicht nachzulassen. „Er brüllt uns an, er überzieht uns mit Schimpfwörtern, er nennt uns ‚Fake‘. Dabei sind wir diejenigen, die zeigen, dass Trump mal wieder etwas Unwahres gesagt hat. Es liegt an uns, immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Dinge sagt, die nachweisbar, unumstritten 100-prozentig falsch sind!“



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