Teilnehmerzahl 2016 gesunken Islamfeindliche Kundgebungen verlieren stark an Zulauf

Teilnehmer einer Kundgebung des islamkritischen Pegida-Ableges Thügida laufen durch Saalfeld. Foto: dpaTeilnehmer einer Kundgebung des islamkritischen Pegida-Ableges Thügida laufen durch Saalfeld. Foto: dpa

Osnabrück. Islamfeindliche Kundgebungen haben nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahr stark an Zulauf verloren.

Das geht aus vier Antworten des Bundesinnenministeriums auf quartalsweise Abfragen der Linken-Fraktion im Bundestag hervor. Demnach registrierten die Sicherheitsbehörden 2016 insgesamt 203 Proteste mit fast 23500 Teilnehmern. 2015 waren es mit 177 zwar weniger Proteste, dafür aber 38400 Teilnehmer und somit fast 40 Prozent mehr.

Speziell für die Monate Oktober, November und Dezember nennt das Ministerium für 2016 insgesamt 2450 Teilnehmer, im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 17800 Menschen, die beispielsweise gegen eine mutmaßliche Islamisierung Deutschlands demonstrierten.

Linke kritisieren Zählung

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisierte die Zählung als unvollständig. Das Ministerium nennt laut Antwort nur Kundgebungen mit „rechtsextremistischer beziehungsweise verfassungsschutzrelevanter islamfeindlicher Einflussnahme“. Darunter fallen nach Einschätzung der Behörden in Sachsen nicht die Pegida-Bewegung in Dresden oder Legida in Leipzig. (Weiterlesen: Pegida feiert zweijähriges Bestehen)

Jelpke bezeichnete das als unbegreiflich und sagte mit Blick auf die Zahlen: „Diese Statistik sagt so mehr über die Unzulänglichkeiten der Sicherheitsbehörden als über die tatsächliche Zahl islamfeindlicher Aufmärsche aus.“ Aufgelistet sind für das vierte Quartal etwa Versammlungen sogenannter „Gida“-Gruppen in Bayern, Berlin, Thüringen und Nordrhein-Westfalen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN