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31.01.2017, 18:20 Uhr SEXUELLE VIELFALT

Bundeswehr: Prioritäten überdenken

Ein Kommentar von Manuel Glasfort


Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht in Berlin bei einem Bundeswehr-Workshop für sexuelle Minderheiten zu den Gästen. Foto: dpaVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht in Berlin bei einem Bundeswehr-Workshop für sexuelle Minderheiten zu den Gästen. Foto: dpa

Osnabrück. Es ist richtig, gegen Diskriminierung in der Bundeswehr vorzugehen. Allerdings hat die Truppe deutlich drängendere Probleme, die die Verteidigungsministerin ebenfalls anpacken muss.

Keine Frage: Auch in der Bundeswehr sollte niemand aufgrund seiner sexuellen Neigungen benachteiligt oder gar schikaniert werden. Und wenn Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dieses Thema nun aufgreift und mehr Toleranz einfordert, ist das ehrenwert. Auch muss endlich mit sadistischen Aufnahmeritualen Schluss gemacht werden, wie sie offenbar in Pfullendorf stattgefunden haben.

Jedoch wird sich so mancher Soldat wünschen, die Ministerin stürzte sich mit derselben Verve auf die Ausrüstungsprobleme. Mit denen hat die Bundeswehr reichlich Schlagzeilen produziert: knappe Munitionsvorräte, veraltete und flugunfähige Kampfjets oder nagelneue Transportflugzeuge mit Triebwerksproblemen. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels sprach unlängst von „planmäßiger Mangelwirtschaft“.

Zwar hat von der Leyen eine leichte Steigerung des Wehretats durchgedrückt. Doch nachdem jahrzehntelang der Rotstift regierte, wird das nicht reichen, um die personellen und materiellen Lücken zu schließen.

Eine einsatzfähige Armee ist aber heute wichtiger als noch in den 90er-Jahren: Russland trumpft in Osteuropa militärisch auf. Und seit der Wahl von Donald Trump scheint das Beistandsversprechen der Amerikaner brüchiger denn je. Zugleich wird die Bundeswehr in immer neue Krisenregionen geschickt. Von der Leyen sollte ihre Prioritäten überdenken.


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