Medien entkräften Behauptungen Trump-Beraterin rechtfertigt Lügen als „alternative Fakten“

Nachweislich waren vier Fakten, die der Pressesprecher des Weißen Hauses Sean Spicer in in einer Pressekonferenz bezüglich der Inauguration des Präsidenten nannte falsch. Eine Beraterin des Präsidenten rechtfertigte dies, als „alternative Fakten“.Nachweislich waren vier Fakten, die der Pressesprecher des Weißen Hauses Sean Spicer in in einer Pressekonferenz bezüglich der Inauguration des Präsidenten nannte falsch. Eine Beraterin des Präsidenten rechtfertigte dies, als „alternative Fakten“.

Washington. In der Kontroverse um die angeblich falsche Medienberichterstattung über die Zuschauerzahl bei der Vereidigung von US-Präsident Donald Trump hat dessen Beraterin die Lügen des Trump Pressesprechers Sean Spicer als „alternative Fakten“ verteidigt.

Spitzenberaterin Kellyanne Conway rechtfertigte beim Sender NBC die Äußerungen von Trumps Sprecher Sean Spicer am Sonntag. Dieser habe „alternative Fakten“ präsentiert. Spicer hatte zuvor bei seiner ersten Presseunterrichtung im Weißen Haus von einer „absichtlich falschen Berichterstattung“ der Medien gesprochen. Die Versuche, die Begeisterung bei Trumps Amtseinführung zu schmälern, seien „beschämend und falsch“. Er drohte gar damit, die Medien dafür „zur Rechenschaft zu ziehen“. (Weiterlesen: Was Trump in seiner ersten Arbeitswoche vor hat)

Vier Falschaussagen

„Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat“, sagte er. „Punkt.“ Dies ist nur eine von vier Behauptungen, die nachweislich nicht richtig sind. 30,6 Millionen Zuschauer sahen die Inauguration von Trump. Die Größe eines globalen TV-Publikums zu bestimmen, ist zwar schwierig, aber vier Zeremonien konnten laut offiziellen TV-Quoten mehr Zuschauer vor den Fernsehern vereinen: die von Nixon (1973, 33 Millionen), Carter (1977, 34,1 Millionen), Obama (2009, 37,7 Millionen) und Reagan (1981, 41,8 Millionen). Trump hingegen behauptete bei Twitter etwas anderes:

Auch die Zählung der Internet-Livestream-Aufrufe ergibt ein ähnliches Bild: So hat der US-Sender CNN mitgeteilt, dass knapp 17 Millionen Menschen seinen Livestream nutzten. 2009 schaffte Vorgänger Obama hier 25 Millionen und damit deutlich mehr.

Spicer hatte zudem behauptet, dass „der ganze Platz“ voll war, als Präsident Trump den Amtseid leistete. Luftaufnahmen, die die Amtseinführung von Obama im Jahr 2009 und von Trump im Jahr 2017 vergleichen, zeichnen jedoch ein anderes Bild. Zudem behauptete Spicer, dass erstmals Bodenplatten benutzt wurden, um den Rasen zu schützen, und deshalb die leeren Plätze stärker sichtbar wurden. Auch dies ist nicht richtig: Auch bei Obamas Inauguration wurden Bodenplatten benutzt. Ein weitere Behauptung: „Wir wissen, dass 420.000 Menschen gestern die U-Bahn benutzt haben. Bei Präsident Obamas Amtseinführung waren es nur 317.000.“ Auch dies widerlegen offizielle Zahlen der Transportbehörde der US-Hauptstadt. Vor Trumps Amtseinführung seien nur 193.000 Menschen unterwegs gewesen. (Weiterlesen: US-Präsident Trump von Brief Obamas im Oval Office gerührt)

Trump bezichtigt Medien der Lüge

Trump selbst warf den US-Medien am Samstag vor, über die Zahl der Zuschauer bei seiner Vereidigung gelogen zu haben. Er habe am Freitag am Kapitol, dem Sitz des US-Kongresses, „eine Million, anderthalb Millionen Menschen“ gesehen. Die Medien hätten aber einen Bereich gezeigt, „wo praktisch niemand stand“, und behauptet, er habe nicht viele Zuschauer angezogen.

Weniger Menschen als bei Obamas Amtseinführung

Die Behörden in Washington hatten nach der Amtseinführung keine offiziellen Teilnehmerzahlen herausgegeben. Auf Fernsehbildern war jedoch zu sehen, dass die Fläche zwischen dem Kapitol und dem Washington Monument nicht vollständig gefüllt war. Vergleichsbilder zeigten zudem, dass deutlich weniger Menschen anwesend waren als bei Barack Obamas Amtseinführung 2009.

Emotionale politische Debatten

Die Bezeichnung „alternative Fakten“ fügt sich in die Debatte um zunehmend emotional statt mit Fakten geführten politischen und gesellschaftlichen Debatten ein. Anfang Dezember kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache das Kunstwort „postfaktisch“ zum Wort des Jahres. Das deutsche Wort „postfaktisch“ lehnt sich dabei an den englischen Begriff „post truth“ an, das die renommierte britische Wörterbuchreihe Oxford Dictionaries bereits Mitte November zum Wort des Jahres gewählt hatte. (mit AFP)


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