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Shitstorm auf Facebook Vergleich mit Sophie Scholl: Eklat nach AfD-Post

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Auf der Seite eines AfD-Verbandes bei Nürnberg ist es nach einem Facebookpost zum Eklat gekommen. Darin macht die Partei Wahlwerbung mit Sophie Scholl. Symbolfoto: dpaAuf der Seite eines AfD-Verbandes bei Nürnberg ist es nach einem Facebookpost zum Eklat gekommen. Darin macht die Partei Wahlwerbung mit Sophie Scholl. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Auf der Seite eines AfD-Kreisverbandes bei Nürnberg ist es nach einem Facebookpost zum Eklat gekommen. Darin macht die Partei Wahlwerbung mit der deutschen Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Die AfD in Nürnberg distanzierte sich von dem Post und der Seite.

Die Facebookseite des AfD-Kreisverbandes Nürnberg-Süd/Schwabach war bisher in der Öffentlichkeit noch nicht besonders in Erscheinung getreten. 299 Nutzer haben die Seite abonniert. Mit dem jüngsten Post hat der Kreisverband jedoch innerhalb kurzer Zeit für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Darin wirbt die AfD mit dem Porträt von Sophie Scholl. Die junge Frau wurde als Widerstandskämpferin in der Gruppe „die Weiße Rose“ zu einer der großen Ikonen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Am 22. Februar 1943 wurde sie dafür vom NS-Regime hingerichtet.

Privatspähre-Einstellungen geändert

Neben dem Porträt hat die AfD einen Satz positioniert, der Sophie Scholl zugerechnet wird: „Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique‚regieren‘ zu lassen.“ Dieses Zitat stammt von einem Flugblatt der Weißen Rose. Darunter ist der Satz zu lesen: „Sophie Scholl würde AfD wählen“.

Das Problem an diesem Post: Zum einen gilt Sophie Scholl als Ikone des Widerstands. Sie steht für Freiheit und Offenheit und passt deshalb aus Sicht vieler nicht zu den Vorstellungen der AfD von geschlossenen Grenzen und zur Islamkritik der Partei. Zum anderen stilisiert sich die AfD mit diesem Post selbst zum Widerstandskämpfer. Und die amtierende Bundesregierung wird mit dem verbrecherischen NS-Regime gleichgesetzt.

Screenshot: Facebook/noz.de

Auf den am Samstag veröffentlichten Post gab es innerhalb kurzer Zeit tausende Kommentare. Der AfD-Kreisverband hat daraufhin offenbar die Privatsphäre-Einstellungen des Beitrags geändert. Er ließ sich aus unserer Redaktion am Montagmorgen nicht mehr aufrufen. Der Berliner-Autor Shahak Shapira hat jedoch einen Screenshot des Posts gemacht, um ihn zu dokumentieren. Shapira nimmt auf seiner Facebookseite häufig die Social-Media-Beiträge der AfD aufs Korn.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die AfD mit der bekannten Widerstandskämpferin vergleicht. Am 9. Mai 2016 twitterte die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch: „Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie nicht, es auszusprechen.‘ Sophie #Scholl.“ Dieser Post ist nach wie vor auffindbar. Mit diesem Satz hatte sich Sophie Scholl zu einer Flugblatt-Aktion bekannt.

AfD in Nürnberg distanziert sich

Die AfD in Nürnberg distanziert sich mittlerweile von dem Facebookpost. Der Kreisverband Nürnberg erklärt, man habe keinen Einfluss auf die Seite „AfD Nürnberg-Süd/Schwabach“. „Wir sind derzeit dabei, juristisch prüfen zu lassen, ob und wie wir gegen die Betreiber aktiv werden können. Des Weiteren distanzieren wir uns ausdrücklich von diesem völlig geschmacklosen Post“, heißt es dort.

In der Tat verfügte die Facebookseite der AfD Nürnberg-Süd-Schwabach über keinen blauen Haken, über den sie zweifelsfrei als offizielle Seite zu identifizieren wäre. Ein recht deutliches Zeichen liefert aber die Homepage des Kreisverbandes. Die ist über die offizielle Domain der AfD Bayern erreichbar. Auf dieser Seite ist die Facebookseite „AfD Nürnberg Süd-Schwabach“ verlinkt.


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