Kommentar Besteuerung von Fleisch: Ruhig mal nachdenken

Grillwürste und andere tierische Nahrungsmittel sollen nach einem Vorschlag des Umweltbundesamts höher besteuert werden. Foto: dpaGrillwürste und andere tierische Nahrungsmittel sollen nach einem Vorschlag des Umweltbundesamts höher besteuert werden. Foto: dpa

Wegen der klimaschädlichen Folgen der Viehhaltung fordert das Umweltbundesamt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Tierprodukte wie Milch undFleisch. Das taugt als Denkanstoß – zu mehr aber auch nicht. Ein Kommentar.

Es ist, als hätte die Chefin des Umweltbundesamts mit ihrem Vorschlag zur Streichung der vergünstigten Mehrwertsteuer auf Fleisch- und Milchwaren in ein Wespennest gestochen: Strafsteuer! Effekthascherei! Absurd!

Die Reaktionen zeugen von der Nervosität derer, die Maria Krautzberger so heftig schelten – machen sie wirklich alles richtig? Die Reaktionen zeugen aber auch davon, dass hier viele Erzeuger und Verbraucher das Gefühl einer elitären, verhaltenspolizeilichen Hetze gegen sie und ihre tradierte Arbeit und Ernährungsweise haben.

Gänzlich falsch liegen sie damit nicht. Eine ehedem selbstverständliche Gewohnheit durch Dauerfeuer zum schädlichen Unterschichtsvergnügen umzudeuten hat ja schon beim Rauchen funktioniert. Ähnlich wie bei Zigaretten ist es ja aber auch so: An den Argumenten gegen Fleisch & Co ist etwas dran. Ob wegen des Tierwohls, des Umweltschutzes oder der eigenen Gesundheit, zumindest stellt sich beim Konsum die Frage nach einem richtigen Maß.

Warum fällt die Debatte so scharf aus? Weil einerseits klar ist, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Auf der anderen Seite findet sich ein quasireligiöser Eifer, der fast schon mit Lust an der gesellschaftlichen Spaltung auf Bevormundung setzt. Fleisch zu verzehren ist aber kein Verbrechen. Es zu produzieren ebenso wenig. Krautzbergers Idee regt dazu an, nachzudenken. Dabei sollte es aber auch bleiben.

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