Anlagen laut Experten sehr sicher Hohe Prüfstandards für Windkraftanlagen

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Wie abgehackt liegen Trümmerteile eines Windkraftrades auf einem Acker bei Grischow nahe Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Turmstumpf von 25 Metern ist stehen geblieben. Foto: Stefan Sauer/dpaWie abgehackt liegen Trümmerteile eines Windkraftrades auf einem Acker bei Grischow nahe Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Turmstumpf von 25 Metern ist stehen geblieben. Foto: Stefan Sauer/dpa

Osnabrück. Trotz mehrerer Fälle von umgestürzten Windrädern und abgerissenen Rotorblättern halten Experten die Windkraftanlagen für sicher. Christian Hering vom TÜV Nord betont die hohen Sicherheitsstandards, die im Ausland sogar als zu hoch kritisiert würden.

„Im Vergleich zum Ausland gibt es in Deutschland bereits höhere Anforderungen bei der Auslegung und späteren Prüfung, das wird in internationalen Richtlinien-Gremien immer wieder deutlich“, sagt Christian Hering, Leiter der Wind-Zertifizierung beim TÜV Nord. Windenergieanlagen werden mindestens alle zwei Jahre vom Technischen Überwachungsverein untersucht. Verfügt der Anlagenbetreiber über einen Wartungsvertrag mit dem Hersteller, wird die TÜV-Prüfung nur alle vier Jahre fällig. Geregelt ist dies in einer Richtlinie des Deutschen Institutes für Bautechnik.

„Bautechnisch ist heute alles sicher“

Die Prüfer untersuchen nach einer Aufstellung des Bundesverbandes Windenergie (BWE) alle Bauteile der Anlage wie etwa Turmkonstruktion, Fundament, Blitzschutz, elektrotechnische Anlagen, Maschinenbau aber auch Rotorblätter und Verschraubungen, erklärt Hering. Hohe Risiken sieht er gerade bei modernen und neuwertige Windrädern nicht. Die Laufzeit einer Anlage liege bei 20 Jahren, bei neueren Modellen seien es sogar 25 Jahre.

„Bautechnisch ist heute alles sicher“, sagt Hering. Vor gut zwanzig Jahren habe dies noch anders ausgesehen. Die Standards seien nicht so weit entwickelt gewesen, viele äußere Anforderungen und entsprechende Effekte auf das Bauwerk noch nicht bekannt. Auch für die Genehmigungsbehörden sei der Bau der Anlagen Neuland gewesen.

Über die Ursachen für mehrere Fälle von umgestürzten Windrädern kann Hering nur spekulieren. Er selbst habe auch nur Fotos gesehen. Lose Schrauben, Ermüdung der Bolzen, Rotorblätter die wegen Überdrehzahl an den Turm schlagen – Gründe für die Havarien könne es viele geben. Jedoch sei die Zahl der Unfälle bei rund 26500 Anlagen bundesweit noch immer sehr gering. Schäden am Bauwerk seien insgesamt relativ selten, sondern entstünden eher an Maschinenbauteilen.

Windrad stürzt bei Hamburg um

Der BWE hält die Windkraftanlagen in Deutschland ebenfalls für sicher. Laut einem Sprecher handelt sich um Einzelfälle. Im Schnitt gebe es sechs bis sieben Zwischenfälle pro Jahr, in denen es nach einem Blitzeinschlag brenne oder ein Rotorblatt abbreche.

Erst Anfang der Woche war ein knapp 100 Meter hohes Windrad bei Hamburg umgestürzt. Nach Angaben des Betreibers wurde es regelmäßig auf seine Sicherheit hin geprüft. Das erklärte der Sprecher der zuständigen Hamburger Stadtreinigung, Reinhard Fiedler. „Es müssen plötzlich Kräfte entstanden sein, die außergewöhnlichen Druck auf die Schrauben an einer der schwächsten Stellen des Mastes ausgeübt haben“.

Neben der Havarie des Hamburger Windrades brach Anfang der Woche einem Windkraftrad in Zichow in der Uckermark ein 40 Meter langer Flügel ab. Weitere Fälle machten vor dem Jahreswechsel Schlagzeilen: In Sachsen knickte ein 95 Meter hohes Windrad bei Leisnig wie ein Strohhalm ein, in Süderholz (Mecklenburg-Vorpommern) fiel Mitte Dezember ein 70 Meter hoher Windradturm um.

Vorfälle auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen

Im Februar vergangenen Jahres waren bei einer rund zehn Jahre alten Anlage in Dörpen im Landkreis Emsland nach starken Sturmböen die Rotorblätter zerstört worden. Im Januar 2016 fielen Gondel und Rotorenblätter einer Anlage in Paderborn mit einem Gesamtgewicht von rund 100 Tonnen auf ein Feld. Im September 2008 waren im Landkreis Osnabrück gleich neun Windrädern in Voltlage-Höckel, Bad Iburg und Melle außer Betrieb genommen worden, nachdem bei fünf baugleichen Anlagen im Kreis Osnabrück und im Kreis Kleve Teile der Rotorenblätter abgebrochen waren. (Mit dpa)


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