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21.12.2016, 17:34 Uhr KOMMENTAR

Endlager für Atommüll: Stuhlkreise helfen nicht weiter

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Theoretisch immer noch als Endlager-Standort möglich: das umstrittene Erkundungsbergwerk in Gorleben. Foto: dpaTheoretisch immer noch als Endlager-Standort möglich: das umstrittene Erkundungsbergwerk in Gorleben. Foto: dpa

Osnabrück. Na also: Das Kabinett einigt sich auf ein Verfahren zur Endlagersuche für den Atommüll. Auf dem Papier steht sogar eine Zahl: Bis zum Jahr 2031 will man irgendwo in Deutschland einen Standort für den Strahlenmüll gefunden haben. Das klingt reichlich ambitioniert. Denn das Volk darf mitreden.

Niemand möchte Atommüll in seiner Nachbarschaft. Doch genau das geschieht: Aktuell lagern Atomkraftwerke ihre Abfälle in Abklingbecken und Zwischenlagern auf dem Werksgelände, ein Endlager gibt es nicht. Und auch wenn das Kabinett nun Kriterien zur Standortsuche festgelegt hat, wird sich das kaum ändern. Das Problem: Jetzt dürfen die Bürger offiziell mitreden; politische Desaster wie in Gorleben oder der Asse sollen sich bei der Suche nicht wiederholen.

Das klingt löblich, ist aber kontraproduktiv. Denn sobald eine Region in den Fokus rückt, formiert sich Widerstand. Umweltschützer, Bürgerinitiativen und Politiker, die wiedergewählt werden wollen, setzen alles daran, ein Endlager ausgerechnet in ihrer schönen Heimat zu verhindern.

Wie gut die strikte Verweigerungshaltung funktioniert, zeigt Bayern: Hier will man zwar den Strom aus dem Norden, nicht aber neue Stromtrassen, die ihn transportieren. Bisher kommen die Bayern damit durch. Nach diesem Motto lassen sich auch Endlager-Standorte wunderbar zerreden. Derweil türmt sich der gefährliche Abfall in den provisorischen Lagern.

Eins ist klar: Wer den Müll produziert hat, muss ihn auch sicher entsorgen. Es gilt, den besten Standort zu finden und zu nutzen, selbst wenn es Milliarden Euro und Wählerstimmen kostet. Stuhlkreise mit erbosten Bürgern helfen nicht weiter.