Menschen mit Behinderung Breites Bündnis von Verbänden fordert: Weg mit den Barrieren

Von Uwe Westdörp

Rollstuhlfahrer in Osnabrück. Foto: Klaus LindemannRollstuhlfahrer in Osnabrück. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück . Ob beim Arzt oder in der Apotheke, beim Einkaufen oder auf dem Bahnhof: Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen stoßen im Alltag nach wie vor auf zahlreiche Hindernisse. Das muss sich endlich ändern, fordert ein breites Bündnis von Verbänden.

Mehr als einem Dutzend Verbraucher-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, darunter der VdK Deutschland, appelliert an die Bundesregierung, möglichst schnell für Barrierefreiheit zu sorgen, und zwar in allen Lebensbereichen. Anlass ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am Samstag (3. Dezember).

Die Verbände kritisieren: „In Deutschland stoßen diese Menschen als Bürger, Verbraucher oder Patient noch immer auf unüberwindbare Hindernisse.“ Bereits 2009 habe sich die Bundesrepublik mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, Maßnahmen für eine barrierefreie Gesellschaft zu treffen. Noch immer würden aber nicht alle Vorgaben erfüllt.. So seien private Anbieter von Gütern und Dienstleistungen von der Verpflichtung zur Barrierefreiheit ausgenommen.

Als Beispiel verweisen die Verbände auf die neuen Regeln im novellierten Behindertengleichstellungsgesetz. Diese gelten nach ihren Angaben nur für öffentliche Gebäude und Ämter. „Sie gelten aber nicht für den kompletten privaten Bereich, also etwa für den Bestand von Gaststätten, Hotels, Supermärkten, Arztpraxen oder Internetportalen.“

Die Verbände nennen eine Vielzahl von Barrieren: Fehlende Aufzüge; Treppen vor Apotheken und Arztpraxen; fehlende Orientierungshilfen, Sitzgelegenheiten und Toiletten in Banken, Einkaufszentren, kulturellen Einrichtungen; eingeschränkte Servicezeiten an Bahnhöfen; nicht barrierefreie Automaten und anderes mehr.

Angesichts dieser Liste von Problemen drängen die Verbände auf Konsequenzen: „Barrierefreiheit darf nicht auf Freiwilligkeit setzen“, heißt es in ihrem Appell. Und: „ Gesetzliche Regelungen für alle privaten Güter und Dienstleistungen sind notwendig. Und zwar mit einer verbindlichen Frist zur Umsetzung bis zum Jahr 2023.“

Den Experten zufolge bietet Barrierefreiheit Vorteile für viele Menschen, „nicht nur diejenigen, die dauerhaft darauf angewiesen sind, sondern auch für Ältere, Kinder, Eltern und alle, die zeitweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“. Schon heute sei jeder vierte Erwachsene auf Barrierefreiheit angewiesen. In Zukunft würden es deutlich mehr, denn das durchschnittliche Lebensalter steige: Heute liege der Anteil der über 65-Jährigen in Deutschland bei 21 Prozent, 2023 würden es 24 Prozent sein, 2050 bereits 33 Prozent.