Digitalisierung Arbeit 4.0: IGBCE fordert „Recht auf Grenze“

Von Klaus Wieschemeyer

IGBCE-Chef Michael Vassiliadis. Foto: ImagoIGBCE-Chef Michael Vassiliadis. Foto: Imago

Die Digitalisierung der Arbeit öffnet auch in der Industrie die Tür für völlig neue Arbeitsmodelle an anderen Orten und zu anderen Zeiten. Die Gewerkschaft IGBCE betont aber, dass es auch in Zukunft Regeln geben muss.

Hannover. Als Fortschrittsverweigerer will Michael Vassiliadis nicht dastehen: „Wir sind keine Maschinenstürmer“, betont der Chef der in Hannover ansässigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE). Doch bei aller Flexibilisierung der Arbeitswelt müsse es für den Beschäftigten auch ein „Recht auf Grenze geben“, warnt er.

Wer die Diskussion um die Arbeit der Zukunft für ein „sozialpolitisches Rollback“ nutzen wolle, werde auf den „härtesten Widerstand“ der Gewerkschaft mit ihren knapp 645000 Mitgliedern stoßen, kündigt Vassiliadis an.

Irgendwo wird immer gearbeitet

In den IGBCE-Branchen haben sich längst neue Formen der Arbeit etabliert. Nicht bei den klassischen Schichten beim Fahren einer Anlage, doch in anderen Bereichen: In den Büros und in der Forschung nimmt das Thema stetig größeren Raum ein, zumal bei globalen Konzernen rund um die Uhr gearbeitet wird – auf irgendeinem Kontinent ist immer gerade was zu tun.

Dass klassische Arbeitszeitmodelle vielfach an Grenzen stoßen und mancher Beschäftigte bereits ein Recht auf Heimarbeit einfordert, ist Vassiliadis klar. Doch Flexibilität habe eben Grenzen: Es gehe heute weniger um Arbeitszeiten als vielmehr um das Recht des Beschäftigten, sich in der Flexibilität zu positionieren“, sagt der Gewerkschaftschef. Man sei bereit, neue Wege und Modelle auszuprobieren, betont die IGBCE. Bei den aktuellen Tarifverhandlungen in der ostdeutschen Tarifindustrie will die Gewerkschaft nun austesten, wie flexibel die Arbeitgeber denn sind.

Neues Verständnis von Normalarbeit

Vom klassischen Acht-Stunden-Tag will Vassiliadis grundsätzlich ebenso wenig weg wie von den vorgeschriebenen Erholzeiten. Dabei gehe es weniger um die pure Arbeitszeit, als vielmehr um Gesundheitsschutz. „Wir sind immer bereit, Veränderungen mitzugestalten“, betont der Gewerkschaftschef. Aber eben nicht durch Aufgabe bisheriger Standards. „Die Zukunft der Arbeit wird es nicht geben, wenn die Arbeitgeber nicht ein neues Verständnis von Normalarbeit entwickeln“, betonte Vassiliadis.


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