Kommentar Fidel Castro: Alle besiegt - und doch verloren

Von Burkhard Ewert

Weltweit hatte Fidel Castro seine Fans - hier trauern Menschen in Paris. Foto: Imago/PanoramicWeltweit hatte Fidel Castro seine Fans - hier trauern Menschen in Paris. Foto: Imago/Panoramic

Osnabrück. Mit 80 Leuten hat Fidel Castro ein Land erobert. Später bot er mit seiner kleinen Insel den übermächtigen USA die Stirn. Nur einen Gegner gab es, gegen den er nicht gewinnen konnte. Den Kampf gegen die Natur des Menschen hat “El Commandante“ verloren. Ein Kommentar.

Fidel Castro war Diktator und Mörder. Er sperrte sein Volk ein, ließ Menschen foltern, zerriss Familien. Und doch ist es in Ordnung, ein wenig traurig darüber zu sein, dass er tot ist. Der Revolutionär war in seinem entschlossenen Idealismus ein einzigartiger und auch beeindruckender Mensch. Er drehte den USA und ihrer Fixierung auf Wachstum und Konsum unmittelbar vor ihrer Haustür eine lange Nase. Castro stand für den Traum einer besseren Welt und für den mutigen, wenn auch blutigen Versuch, sie auf Kuba zu schaffen.

Kein „Bonze“

War sie gerechter? Nein. Der Staatschef nahm Millionen Menschen das Recht auf Selbstverwirklichung und Wohlstand und auf Wahlen sowieso. Zwar kamen Themen wie Bildung, Gesundheitswesen und Gleichberechtigung in seinem Land sehr viel früher als in anderen Teilen der Dritten Welt eine große Bedeutung zu. Auch ist zu honorieren, dass sich Castro nicht in cäsarischer Bonzen-Manier des Ostblocks hat korrumpieren lassen.

Kuba ein Freilichtmuseum

Dennoch ist schon lange klar, dass er gescheitert ist. Castro war das letzte lebende Lehrstück, dass der Sozialismus nicht funktioniert. Kuba wurde zum Freilichtmuseum der politischen Ideengeschichte. Mit 80 Leuten hatte Castro eine ganze Armee besiegen und ein Land erobern können. Den USA bot er über Jahrzehnte die Stirn. Und doch: Den Kampf gegen die Natur des Menschen musste auch „El Commandante“ verlieren.

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