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09.11.2016, 08:39 Uhr KOMMENTAR ZUR US-WAHL

Trump als Präsident: Das muss nicht die Apokalypse sein

Kommentar von Marion Trimborn

Donald Trump ist der neue Präsident der USA. Foto: dpaDonald Trump ist der neue Präsident der USA. Foto: dpa

Osnabrück. Lange war es undenkbar, jetzt ist es doch passiert: Der Politik-Neuling und Provokateur Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Viele Amerikaner sind in Schockstarre, die Welt in Furcht. Ist das die Apokalypse? Es gibt auch Chancen. Ein Kommentar.

Yes he can. Jetzt also doch. Wie konnte das passieren? Es ist die Angst, der Frust vieler Amerikaner. Über Jobverlust und sozialen Abstieg, über verlorene Größe des einstigen Weltpolizisten und über die Einwanderer. Donald Trump hat diese Ängste aufgegriffen, der Milliardär hat sich zum Anwalt der kleinen Leute gemacht, hat ihre Wut artikuliert. Das war der Schlüssel für seinen Erfolg.

Trump wurde auch von Frauen gewählt

Und machen wir uns nichts vor: Es waren nicht nur die ungebildeten weißen Männer, die ihre Stimme dem starken Typen Trump gegeben haben. Er, der politisch Inkorrekte, der die Beleidigung und den wüsten Ton eines Vorstadt-Cowboys in die Politik gebracht hat, wurde von einer breiten Wählerbasis getragen, von den Massen – auch von Frauen, trotz seiner sexistischen Äußerungen, auch von Latinos, obwohl er sie im Wahlkampf als Verbrecher und Vergewaltiger beschimpfte. All die Amerikaner, die sich von der politischen Elite in Washington vergessen fühlen, die Hillary Clinton mit ihren Affären für zutiefst korrupt halten. Kurzum, die die Nase voll hatten vom Establishment.

Trump steht für Unberechenbarkeit

Ist das jetzt die politische Apokalypse? Abwarten. Ja, Trump zeigt eine Verachtung für die Demokratie, das ist gefährlich. Aber er steht vor allem für eines: die Unberechenbarkeit. Niemand weiß, was bei ihm Wahlkampfgetöse ist und was konkrete Pläne sind. Gut vorstellbar, dass der Mythos Trump sich selbst entzaubert. In der Innenpolitik wird manches rechtlich gar nicht gehen, etwa alle illegalen Einwanderer auszuweisen. Anderes dürfte schlicht am Geld scheitern, wie das 25 Milliarden Dollar teure Projekt einer Mauer an der Grenze zu Mexiko gegen Einwanderer - es könnte auf den Ausbau des vorhandenen Zauns schrumpfen.

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Abgewanderte Jobs kann auch „The Donald“ nicht zurück nach Amerika verlagern, Handelsabkommen haben Fristen, auch ein Trump wird nicht willkürlich den roten Knopf der Atomwaffen drücken. Die Krankenversicherung abzuschaffen, dürfte auf enorme Widerstände stoßen, eher wird eine Reform kommen, was eigentlich alle für gut halten. Und ob er wirklich seiner Konkurrentin Clinton die Staatsanwaltschaft auf den Hals hetzt und damit den sozialen Frieden riskiert? Die Zwänge des Weißen Hauses dürften Trump zu einem rationaleren Präsidenten machen, als der Kandidat es war.

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Außenpolitisch gibt es auch Chancen

Müssen sich Europa und die Welt jetzt fürchten? Auch hier heißt es, abzuwarten. Es gibt Chancen. Trump bewundert den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Eine Männerfreundschaft zwischen den mächtigsten Staatschefs der Welt könnte vieles verändern, die eisige Beziehung zwischen Russland und den USA auftauen. Man stelle sich vor: Donald und Wladimir beim gemeinsamen Jagen oder Bootfahren – danach gäbe es vielleicht eine Idee, wie man in Syrien Frieden schaffen kann. Das ist nur ein Szenario, natürlich.

Entscheidend dürfte sein, ob der Geschäftsmann Trump sich künftig im Griff behalten kann. Im Wahlkampf beleidigte er Behinderte, zeigte sich als Chauvinist gegenüber Frauen und lobte Diktatoren. In der internationalen Diplomatie wären ähnliche Ausfälle ein Desaster.

Wie der Brexit

Erst war es der Brexit, das überraschende Votum der Briten für den Ausstieg aus der EU, nun der Trump-Sieg. Die Welt ändert sich rasant, das schürt Ängste. In seiner unnachahmlichen Art hat Trump versprochen, wenn er gewinne, werde es zehnmal so schlimm wie beim Brexit. Sicher ist, es wird anders.


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