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19.10.2016, 18:18 Uhr KOMMENTAR ZU EUGH-URTEIL

Bittere Pille für Apotheker und Patienten

Kommentar von Michael Clasen

Ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) wirbelt den deutschen Apothekenmarkt auf. Die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente schränke den grenzüberschreitenden freien Warenverkehr ein und verstoße damit gegen EU-Recht, urteilten die Luxemburger Richter. Foto: dpaEin wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) wirbelt den deutschen Apothekenmarkt auf. Die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente schränke den grenzüberschreitenden freien Warenverkehr ein und verstoße damit gegen EU-Recht, urteilten die Luxemburger Richter. Foto: dpa

Osnabrück. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt. Das kann für viele Apotheker und Patienten in Deutschland fatale Folgen haben.

Das EuGH-Urteil ist eine bittere Pille, an deren Nebenwirkungen so manche Apotheke zugrunde gehen könnte. Denn mit der Abschaffung des Einheitspreises bei rezeptpflichtigen Medikamenten für europäische Anbieter rüttelt das Gericht an der flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Deutschland.

Diskriminierung ist ein Unding

Möglich, dass sich Verbraucher kurzfristig über sinkende Preise freuen können. Doch die Patienten sollten sich nicht täuschen: Wenn europäische Onlinedienste mit Dumpingangeboten den hiesigen Markt aufrollen, dann wird es nicht mehr lange eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und verlässliche Versorgung vor Ort geben. Das Apothekensterben nähme an Tempo zu.

Jetzt dürfen hierzulande Versandhändler aus den Niederlanden oder Frankreich Medikamente mit Rabatt im Internet sogar vertreiben, obwohl die hiesigen Apotheker weiterhin an die Preisbindung gebunden sind. Diese Diskriminierung ist ein Unding. Hier muss die Bundesregierung schnellstmöglich eingreifen.

In Notsituationen kann das lebenswichtig sein

Entweder die Preisbindung wird für alle gekippt. Das hätte einen scharfen Verdrängungswettbewerb zur Folge. Oder der Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten wird wieder generell untersagt. Dann bliebe das Apothekennetz funktionstüchtig –in manchen Beratungsfällen und in Notsituationen kann das lebenswichtig sein.


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