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12.10.2016, 18:38 Uhr KOMMENTAR ZU WANKA-PLAN

Digitalisierung der Schulen: Anschluss an die Realität

Kommentar von Dirk Fisser

Kreidetafel und iPad: die Bundesregierung will die Digitalisierung von Schulen vorantreiben. Foto: dpaKreidetafel und iPad: die Bundesregierung will die Digitalisierung von Schulen vorantreiben. Foto: dpa

Osnabrück. Zwar sind Deutschlands Klassenzimmer keine digitale Wüste mehr, aber noch liegen Laptop, Tablet oder Smartphone nicht gleichberechtigt neben Zirkel und Geodreieck. Die Bundesbildungsministerin will nun mit viel Geld nachhelfen - und dafür das Grundgesetz überlisten.

In Schulen sollen junge Menschen nicht nur auf das Arbeitsleben vorbereitet werden. Sie sollen auch zu mündigen Bürgern reifen. Doch wie soll das gelingen, wenn wichtige Lebensbereiche innerhalb der Lehranstalten kaum eine Rolle spielen? Das Internet in all seinen Ausprägungen ist die Zukunft, einen Weg daran vorbei gibt es nicht.

Die Initiative der Bundesregierung ist daher richtig: Das Internet gehört in die Schulen und auf die Lehrpläne. Doch es fehlt nicht nur die Technik, es fehlt auch an qualifizierten Lehrkräften. Ein großer Teil der Lehrer ist in einer Zeit ausgebildet worden, in der der grafische Taschenrechner das Höchste aller digitalen Gefühle war. Die Milliarden aus Berlin wären verschenkt, würde nicht auch in die notwendige Weiterbildung des Personals investiert.

Indes ist betrüblich, dass sich die Bundesministerin eines klitzekleinen Schlupflochs im Grundgesetz bedienen muss, um das Kooperationsverbot von Bund und Ländern zu umgehen und die Lebensrealität der Schüler in die Schule zu holen.

Das zeigt einmal mehr: Dieses Verbot, das eine Zusammenarbeit erschwert bis unmöglich macht, gehört dringend gelockert. Es ist ebenso wenig zeitgemäß wie ein Oberlichtprojektor als einziges technisches Hilfsmittel in einem Klassenraum.


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