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Umstrittene Thesen zur Erderwärmung RWE-Manager Vahrenholt wirft Universität Osnabrück Maulkorb-Strategie vor und kritisiert Panikmache um den Klimawandel

<em>Fritz Vahrenholt</em>
              Foto: dpaFritz Vahrenholt Foto: dpa

Osnabrück. Das Buch „Die kalte Sonne“ des Aufsichtsratschefs der RWE Innogy GmbH, Fritz Vahrenholt, ist sehr umstritten. Heute ist er Gast des Verbands kommunaler Unternehmen.

Zuvor äußerte er sich im Interview:

Herr Vahrenholt, Sie waren für die Laufzeit-Verlängerung von Atomkraftwerken. Ist die Energiewende ein Holzweg?

Die Debatte über die Dringlichkeit der Energiewende wird in den nächsten Jahren etwas anders geführt werden – wenn nämlich die wahren Kosten bekannt werden, die Instabilität der Netzversorgung wächst und die Klimaveränderung sich relativiert. Denn die überstürzte Energiewende wird ja im Wesentlichen dadurch begründet, dass wir in wenigen Jahren das Klima retten müssten. Aber die globalen Temperaturen haben sich seit 14 Jahren nicht verändert.

Sie sind in Osnabrück Gast beim VKU. Was raten Sie kommunalen Unternehmen in Klimafragen?

Stadtwerke sollten weiter in regenerative Energie investieren, aber klarmachen, dass sie das aus Effizienzgründen und nicht zum Kampf gegen Klimawandel tun. Der Beitrag dazu ist nämlich nahe null. Was wir in den nächsten zehn Jahren fürs Klima tun wollen, wird in China in sechs Monaten durch Zubau etwa von Kohlekraftwerken zunichtegemacht. Die gute Nachricht ist, dass das Treibhausgas CO2 nicht so dramatisch ist wie befürchtet.

Sie sind umstritten – auch wegen Ihrer These, die Sonne kühle sich ab, der Klimawandel sei vorerst gestoppt. Alles Panikmache?

Selbstverständlich ist viel Panikmache dabei. Gerade macht der Rückgang des Grönland-Eises wieder Schlagzeilen. Das mag zwar schrecklich sein und hat auch mit der Erderwärmung zu tun; doch jeder sollte wissen, dass wir vor tausend Jahren einen viel größeren Eis-Rückgang gehabt haben. Grönland war damals fast eisfrei. Erik der Rote hat dort Landwirtschaft betrieben und Brunnen angelegt, die jetzt wieder zum Vorschein kommen. Es hat immer wieder alle tausend Jahre solche Warm- und Kaltperioden gegeben. Deswegen sollten wir nicht so tun, als ob das Klima sich erst seit 150 Jahren verändert hat, nur weil wegen der Menschen das CO2 auf der Erde angestiegen ist. CO2 ist ein Klimagas, aber es ist für einen geringeren Teil des Anstiegs verantwortlich. Daher werden wir nicht drei bis sechs Grad, sondern allenfalls ein Grad Erwärmung in diesem Jahrhundert erfahren. Und das ist keine Katastrophe. Da hat man versucht, den Menschen Angst einzujagen. Die Energiepolitik in Deutschland ist gespeist aus Sorge vor der Klimakatastrophe. Das führt zu ganz schlimmen Entwicklungen, etwa zu Biosprit aus Weizen und zur Vermaisung der Landschaft, die die Tierwelt in Deutschland massiv bedroht. Wir betreiben Fotovoltaik in einem Land, das eine Sonneneinstrahlung hat wie Alaska. Dennoch stehen 50 Prozent der Fotovoltaik-Weltkapazität in Deutschland.

Klimaforscher Mojib Latif, der ebenfalls beim VKU zu Gast ist, will nicht mit Ihnen reden. Ein Vorwurf: Sie bilanzierten kurzfristige Temperaturentwicklung, nicht langfristige Klimatrends. Berechtigte Kritik?

Zur Kurzsichtigkeit: Vor zwölf Jahren hat Herr Latif gesagt, Winter mit starkem Frost und viel Schnee wird es in unseren Breiten nicht mehr geben. Wissenschaftlich hat er publiziert, dass wir in der zweiten Dekade eine Abkühlung bekommen. Da hat er recht! Fakt ist, dass es seit 1998 nicht wärmer geworden ist. Nur weil dies erst seit 14 Jahren der Fall ist, wird gesagt, das habe mit Klima nichts zu tun. Schauen Sie sich doch mal die CO2-Kurve an: Seit 1998 sind jedes Jahr rund drei Prozent mehr CO2 ausgestoßen worden; dennoch ist es nicht wärmer geworden. Dafür gibt es doch Gründe. Da müssen die traditionellen Klimaforscher mal erläutern, woran das liegt. Es hat damit zu tun, dass wir ozeanische Zyklen haben, die für 20 bis 30 Jahre zur Abkühlung führen. Hinzu kommt als Ursache die sich abschwächende Sonne. All das kann man doch nicht ignorieren.

Gegen Sie richtet sich der Vorwurf, Sie seien Strommanager, aber kein Klimaforscher. Publiziert in einem Fachmagazin hätten Sie auch noch nicht. Warum eigentlich?

Der Vorwurf ist doch an den Haaren herbeigezogen. Herr Pachauri, immerhin der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, ist Eisenbahningenieur. Warum darf der uns allein erzählen, wie er Klimaforschungsergebnisse interpretiert? Ich bin zwar kein Klimaforscher, aber doch Chemieprofessor und nehme das gleiche Recht in Anspruch.

Forscher widersprechen Ihrer These der sich abschwächenden Sonne. Die Sonne habe lediglich einen Kühleffekt von 0,06 bis maximal 0,3 Grad Celsius. Was entgegnen Sie?

Diese Forscher sollten uns dann mal erklären, wie die Kleine Eiszeit vor 350 Jahren und wie die kalte, dunkle Zeit der Völkerwanderung entstanden ist. Wodurch ist denn einst eine Abkühlung von ein bis zwei Grad ausgelöst worden – und das alle tausend Jahre, und zwar weltweit? Ohne dass die Sonne damit etwas zu tun hat? Wer soll das denn sonst gewesen sein? Das CO2 kann ja nicht die Ursache gewesen sein. Die Behauptung, erst der Mensch mit seinem CO2-Ausstoß sei entscheidend für die Erderwärmung, soll den Einfluss der Natur auf den Klimawandel verschleiern. Bester Beleg ist doch die E-Mail-Affäre vor drei Jahren. Was habe ich von Forschern zu halten, die für die Öffentlichkeit Teilergebnisse so hinbiegen, damit daraus eine politische Botschaft konstruiert werden kann?

Empfinden Sie noch Groll gegen die Universität Osnabrück, die Sie Anfang des Jahres ausgeladen hat?

Ich komme gerne nach Osnabrück und finde es schön, dass der Verband kommunaler Unternehmen mich jetzt eingeladen hat. Denn dann kann sich jeder selbst ein Bild von meinen Thesen machen. Ich fand das damals seitens der Uni Osnabrück schon ein starkes Stück, dass eine deutsche Universität mich zunächst einlädt, um die Thesen vorzutragen, dann aber auf Druck kneift und mich auslädt. Dafür werde ich dann eingeladen an die Universität Oslo, die Royal Society in London, nach Wien oder Bern. Mit dem Denken und Handeln der Universitätsleitung in Osnabrück hätten sich die Erkenntnisse eines Alfred Wegener nie durchgesetzt. Er wurde verlacht, verschrien, ausgeladen. Leider erst nach seinem Tod ist seine Theorie der Kontinentalverschiebung anerkannt worden. Ich hoffe, dass ich noch so lange lebe, bis die Universität sich für diesen Maulkorb entschuldigt.


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