Unbegleitete Minderjährige Flüchtlingskinder ohne Eltern: Grüne fordern mehr Einsatz der Bundesregierung

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Zehntausende Flüchtlingskinder sind ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen. Hier ein Mädchen mit einem Bilderbuch, das die Bundesagentur für Arbeit als Willkommensgeschenk an Flüchtlingskinder verteilt. Foto: obs Louiza Froebe, Holm Keller GmbHZehntausende Flüchtlingskinder sind ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen. Hier ein Mädchen mit einem Bilderbuch, das die Bundesagentur für Arbeit als Willkommensgeschenk an Flüchtlingskinder verteilt. Foto: obs Louiza Froebe, Holm Keller GmbH

Osnabrück. Zehntausende Kinder und Jugendliche sind ohne ihre Eltern nach Deutschland geflüchtet. Die Jugendämter nehmen sie dann in Obhut. Doch wird genug für diese Kinder getan? Nein, finden die Grünen. Sie fordern mehr Unterstützung von Seiten der Regierung - auch vor dem Hintergrund der Ereignisse in Bautzen.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Bautzen verlangen die Grünen im Bundestag von der Bundesregierung mehr Unterstützung für Flüchtlingskinder , die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. In einem Gespräch mit unserer Redaktion kritisierte die jugendpolitische Sprecherin der Grünen, Beate Walter-Rosenheimer: „Das Familienministerium hat noch immer so gut wie keine Ahnung von der Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland.“ Sie fügte hinzu: „Im Informationschaos bleiben die Kinder auf der Strecke.“

Anlass ist eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung, in der das Familienministerium viele Antworten schuldig bleibt. Auf die Frage nach der Umverteilung von Kindern und Jugendlichen zwischen den Bundesländern sowie nach der Zusammenführung von Familien kann die Regierung keine Erkenntnisse aus der Praxis nennen.

Im sächsischen Bautzen war es in den vergangenen Tagen zu nächtlichen Krawallen gekommen. Diese sind nach Erkenntnissen der Polizei und des Landkreises von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen ausgegangen.

Bundesregierung setzt auf Bericht

Die Regierung will nun bis Jahresende mit einem Bericht für Aufklärung sorgen. Das Familienministerium schreibt: „Die Bundesregierung wird dem Deutschen Bundestag einen Bericht über die Situation unbegleiteter ausländischer Minderjähriger in Deutschland bis Ende 2016 vorlegen.“

Dafür werden Verbände wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Diakonie, das Kinderhilfswerk und der Deutsche Städtetag nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen befragt. Also etwa danach, welche Bedürfnisse diese haben, ob sie traumatisiert sind und wie ihre Familienverhältnisse sind.

Die Grünen Abgeordnete Walter-Rosenheimer kritisierte, dass das Ministerium nicht selbst über solche Informationen aus den Ländern verfüge: „Das ist mehr als peinlich.“

Nach jüngsten Zahlen sind in Deutschland 64 139 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei den Jugendämtern in Deutschland in Obhut. Die Zahl ist – auch wegen des zurückgegangenen Flüchtlingsstroms - seit Jahresbeginn gesunken. Im Januar waren es noch 67 194. Zwischen den Bundesländern werden sie seit zehn Monaten umverteilt, allerdings ist die Quotenverteilung zwischen den einzelnen Bundesländern nicht ausgeglichen.

In Bautzen war es in den vergangenen Tagen zu nächtlichen Krawallen gekommen. Diese sind nach Erkenntnissen der Polizei und des Landkreises von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen ausgegangen.

Weltweit immer mehr Flüchtlingskinder ohne Eltern

Laut Kinderhilfswerk Unicef verlassen weltweit immer mehr Kinder und Jugendliche ihre Heimat ohne Eltern. Mehr als 100 000 Minderjährige ohne Eltern beantragten 2015 in 78 Ländern Asyl, dreimal so viele wie noch 2014. Diese Kinder seien besonders von Ausbeutung und Missbrauch bedroht, warnt Unicef. Zudem bestehe die Gefahr, dass sie sich radikalisierten.

Grüne verweisen auf vermisste Flüchtlingskinder

Die Grünen kritisieren auch, dass die Bundesregierung zu wenig unternehme, um die Situation von vermissten Kindern und Jugendlichen aufzuklären. Laut Bundeskriminalamt sind rund 9000 Flüchtlingskinder – von denen die meisten ohne Eltern unterwegs waren - nach ihrer Ankunft in Deutschland verschwunden. Die meisten Fälle haben aber keinen kriminellen Hintergrund.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, sagte: „Es ist skandalös, dass die Bundesregierung weiter nichts unternimmt, um die Situation der verschwundenen minderjährigen Flüchtlinge aufzuklären. Sie wartet auf die Erhebung von Daten, anstelle sich zeitnah um das Wohl der Kinder und Jugendlichen zu kümmern. Die Bundesregierung will auch diese Frage in ihrem Bericht klären.


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