Flyer-Bild stammt ursprünglich aus Athen AfD Stade wirbt mit Fake-Foto für mehr Sicherheit

Um Wähler zu mobilisieren, verteilte die Alternative für Deutschland (AfD) in Stade einen eigens entworfenen Flyer. Screenshot: afd-landkreis-stade.deUm Wähler zu mobilisieren, verteilte die Alternative für Deutschland (AfD) in Stade einen eigens entworfenen Flyer. Screenshot: afd-landkreis-stade.de

Osnabrück. Die AfD in Stade wirbt vor der Kommunalwahl für innere Sicherheit - mit einem Foto, das Gewalt gegen einen Polizisten zeigt. Dabei stammt das Bild gar nicht aus Deutschland, sondern aus Athen - und wurde am Computer bearbeitet.

Um Wähler zu mobilisieren, verteilte die Alternative für Deutschland (AfD) in Stade einen eigens entworfenen Flyer. Darauf ist ein Foto des Attentäters von Würzburg zu sehen und die Aufschrift: „Köln, Würzburg und als nächstes Buxtehude oder Stade? Politik und Medien spielen mit der Sicherheit der Bürger. Schluss mit der Beschönigung der Bedrohungslage!“

Fake-Foto aus Athen von 2009

Auf dem Flyer ist noch ein zusätzliches Foto abgebildet: Ein schwarzgekleideter Mann schwingt eine rote Fahne. Mit dem Stiel will er auf einen bereits gestürzten Polizisten eindreschen. Auf dem Rücken des Schlägers ist der Schriftzug „Antifaschistische Aktion“ zu lesen. „Rechtsstaat am Boden“ schreibt die AfD dazu.

Allerdings wurde das Foto aus dem Zusammenhang gerissen. Es stammt aus dem Dezember 2009 und wurde während der Krawalle zwischen Aktivisten und der Polizei in Griechenland aufgenommen.

Das bestätigte der Fotoreporter Milos Bicanski gegenüber der Lokalzeitung „Stader Tageblatt“, die über den Flyer berichtete. Eine offizielle Anfrage der Partei an den Fotografen habe es nicht gegeben. Damals eskalierten Proteste in der griechischen Hauptstadt Athen, die am ersten Todestag des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos stattfanden. Der junge Grieche war am 6. Dezember 2008 von einem Polizisten erschossen worden - seitdem wird in Griechenland jedes Jahr gegen Polizeigewalt demonstriert.

Rechtfertigung der AfD

Wie der NDR berichtet habe die AfD das Foto lediglich als Symbolbild verwendet. „Das ist nicht das Originalbild. Es ist ein Symbolbild“, hält Helmut Wiegers, Kreis-Pressesprecher der AfD, dagegen. Er sei „bass erstaunt“, welche Aufmerksamkeit die Parteibroschüre in den Medien finden würde - verglichen mit den Themen Polizei-Ausstattung und Kriminalität, auf die die AfD doch eigentlich die Aufmerksamkeit im Kommunalwahlkampf lenken wollte.

Vorwürfe zurückgewiesen

Nachdem es deshalb Diskussionen in den sozialen Netzwerken gab, deckte die Gruppe „Hooligans gegen Satzbau“ als eine der ersten die konkreten Hintergründe auf. Seitdem berichteten zahlreiche Lokalzeitungen und überregionale Blätter über die AfD-Aktion.

Die AfD in Stade allerdings ist sich keiner Schuld bewusst und schreibt auf seiner Homepage: „Bei der bewusst eingesetzten Bilddatei handelt es sich um eine seit Jahren im Weltnetz befindliche, stark verfremdete Arbeit eines unbekannten Künstlers.“ Auch der Vorwurf der Bildfälschung wird zurückgewiesen.

Laut NDR soll die Bildmanipulation tatsächlich nicht von der AfD stammen, sondern wurde schon zuvor von rechtsgerichteten Web-Auftritten verbreitet. So postete das Bild im Januar 2016 ein Twitter-Nutzer im Zusammenhang mit einer Pegida-Demonstration in Köln. Eine andere Variante suggerierte bereits 2013, es sei auf dem Maidan in Kiew entstanden, wie ukranische Medien berichteten.


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