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02.09.2016, 19:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Urteil zum Sturmgewehr G36: Aus den Fehlern lernen

Von Melanie Heike Schmidt


Seit 18 Jahren bei der Bundeswehr im Einsatz: das Sturmgewehr G36. Die Soldaten sind zufrieden mit der Waffe, die bei Test aber Mängel gezeigt hat. Hersteller Heckler & Koch kämpft um seinen Ruf. Foto: Imago/Rainer UnkelSeit 18 Jahren bei der Bundeswehr im Einsatz: das Sturmgewehr G36. Die Soldaten sind zufrieden mit der Waffe, die bei Test aber Mängel gezeigt hat. Hersteller Heckler & Koch kämpft um seinen Ruf. Foto: Imago/Rainer Unkel

Osnabrück. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will des Sturmgewehr G36 ausmustern, weil es bei Tests schlecht abgeschnitten hat. Die Folge: ein Rechtsstreit mit dem Hersteller Heckler & Koch. Der hat nun einen wichtigen Sieg vor Gericht errungen.

Schießt das G36 schief oder nicht? Soldaten sagen Nein. Doch in Labortests schneidet das Gewehr mies ab. Wer hat recht?

So wichtig sie anmutet: Diese Frage wird vermutlich nie endgültig beantwortet werden. Auch das aktuelle Urteil des Landgerichts Koblenz hilft nicht weiter. Denn darin ging es nicht um die Treffsicherheit, sondern darum, ob der Hersteller Heckler & Koch die Waffen vertragsgemäß geliefert hat. Der Richterspruch bestätigt das – und fegt zugleich millionenschwere Schadenersatzforderungen vom Tisch. Auch im Kampf um seinen Ruf erringt der schwäbische Waffenkonzern mit dem Urteil einen wichtigen Sieg.

Für Ursula von der Leyen bedeutet das eine herbe Schlappe. Dabei wurden die Fehler lange vor ihrem Amtsantritt gemacht. Seit der ersten G36-Lieferung vor 18 Jahren sind die Verträge nie aktualisiert worden. Heckler & Koch hat also völlig veraltete Verträge erfüllt. So ärgerlich es aus Sicht der Ministerin ist: Das Urteil ist korrekt.

Unterm Strich bleibt nichts anderes übrig, als aus der Niederlage zu lernen. Verträge mit Lieferanten müssen künftig regelmäßig auf Aktualität geprüft werden. Auch gilt es, die Expertise der Soldaten stärker in die Beurteilung der Waffen einzubeziehen. Labortests allein reichen nicht.

Gegen das Urteil Berufung einzulegen, sollte sich die Ministerin ersparen. Diesen Kampf hat sie verloren.


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