Kommentar Wir schaffen das: Es war ein Fehler

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Hilft nicht immer: Angela Merkels „Raute“, die berühmte Art, ihre Hände zu halten, hier bei einem Wahlkampftermin in dieser Woche in Greifswald. Foto: Imago/Jan HuebnerHilft nicht immer: Angela Merkels „Raute“, die berühmte Art, ihre Hände zu halten, hier bei einem Wahlkampftermin in dieser Woche in Greifswald. Foto: Imago/Jan Huebner

Osnabrück. Vor einem Jahr machte Angela Merkel den größten Fehler ihrer Amtszeit. Die historische Dimension ihrer eigensinnigen Flüchtlingspolitik unterschätzte sie kolossal und brachte damit die EU ins Wanken. Ein Kommentar.

Wir schaffen das. Aber was? Die Integration der rund eine Million Menschen, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen? Der Hunderttausenden, die in diesem Jahr einwandern? Bestimmt. Aber schaffen wir es auch, die EU beisammen zu halten? Mit ihrer Politik der Einladung hat Angela Merkel Europa gesprengt. Eine deutsch-französische Achse gibt es nicht mehr. Der Osten ging rüde auf die Distanz. Die Briten sagten sich gleich ganz los.

Außerdem: Schaffen wir es, die Millionen Flüchtlinge aufzunehmen, die erst noch kommen? Es ist nicht ehrlich so zu tun, als seien Deutschlands Möglichkeiten der Hilfe grenzenlos. Das sind sie nicht. Realistisch betrachtet enden sie weit eher, als es angesichts des deutschen Reichtums der Fall wäre – zumindest, wenn man sich keine Stimmenanteile der Rechtspopulisten von 25 Prozent und mehr wünscht.

Kluge Politik nimmt Ängste der Bevölkerung auf und entkräftet sie auf die eine oder andere Weise. Sorgen zu ignorieren, die Besorgten zu beleidigen oder den Anschein zu erwecken, als verstießen Grenzen gegen die Menschenrechte, ist das Gegenteil von klug.

Endlos vorhalten sollte man Angela Merkel ihren Fehler nicht. Sie hat es gut gemeint. Und die Aufgabe, es zu schaffen, bleibt bestehen. Dies verlangt die gemeinsame Kraft. Leichter machte es einem die Kanzlerin mit einem Hauch von Selbstkritik.

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