Diskussionen um Gabriels Geste Jusos verteidigen Sigmar Gabriel mit „Stinkefinger“-Bild

Die Jusos in NRW posteten dieses „Stinkefinger“-Bild am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite. Screenshot: NOZ/facebook.com/nrwjusosDie Jusos in NRW posteten dieses „Stinkefinger“-Bild am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite. Screenshot: NOZ/facebook.com/nrwjusos

Osnabrück. Sigmar Gabriel hat am Freitag pöbelnden rechten Demonstranten in Salzgitter den Mittelfinger gezeigt. Die Geste des Vizekanzlers sorgt seitdem für Diskussionen. Die Jusos in Nordrhein-Westfalen bekunden dagegen ihre Solidarität mit dem SPD-Chef.

Die Jusos in NRW stellen sich hinter Sigmar Gabriel. Der SPD-Chef hatte am Freitag Vermummten, die seinen Auftritt in Salzgitter mit rechten Parolen stören wollten, den Mittelfinger gezeigt. Die Jugendorganisation der Sozialdemokraten in NRW veröffentlichte am Mittwoch ein Bild auf der eigenen Facebook-Seite, auf dem dutzende Jusos ihre beiden Mittelfinger in Richtung Kamera zeigen. Auf ‘ne Runde #WoistSiggi!Ob rassistische Hetze in Braunschweig oder Messerangriff auf einen Antifaschisten in Dortmund - unsere Botschaft an die Nazis bleibt dieselbe“, schrieben die NRW Jusos unter dem Post, der bereits 45 Mal geteilt wurde. Das Foto sei am Rande einer Konferenz entstanden, berichten die Jusos im sozialen Netzwerk.

Erinnerungen an Steinbrück

Doch nicht jeder hält die Geste Gabriels für eine gelungene Aktion. In der Debatte um das Zeigen des Vorfalls wird beispielsweise teils heftig diskutiert, ob ein möglicher Kanzlerkandidat so etwas überhaupt machen dürfe. Peer Steinbrück hat damit nicht so gute Erfahrungen gemacht. Der damalige SPD-Spitzenmann grüßte 2013 – eine Woche vor der Bundestagswahl – mit einem „Stinkefinger“ vom Titel des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“. Das Bild entstand in einem Ohne-Worte-Interview, in dem Prominente nur mit Gestik und Mimik antworten dürfen. Steinbrück wurde nach fiesen Spitznamen gefragt und entschied sich als Antwort für den ausgestreckten Mittelfinger plus genervtem Gesichtsausdruck. Ja, es war lustig gemeint, ironisch. Trotzdem hagelte es Kritik. (Lesen Sie hier: Die wichtigsten Fakten zum Stinkefinger)

Kritik von Extremismusforscher

Der Extremismusforscher Eckhard Jesse bezeichnet die Geste Gabriels als „Eigentor“. Er hält das Zeigen des Mittelfingers gegenüber Rechtsextremen für kontraproduktiv. „Die Rechten werden behaupten: Nur weil wir nicht mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zufrieden sind, werden wir beleidigt“, sagte der emeritierte Professor der Universität Chemnitz am Mittwoch. „Als Politiker hat er eine große Verantwortung und muss wissen, wie so etwas ankommt“, betonte Jesse. Die Rechten instrumentalisierten solche Vorfälle gezielt. Schon im vergangenen Jahr habe sich Gabriel keinen Gefallen getan, als er rechte Gewalttäter als „Pack“ bezeichnet hatte. „Im Konflikt mit Rechtsextremen braucht es klare Worte, man sollte sich aber nicht auf deren Niveau herablassen.“

SPD nimmt Gabriel in Schutz

Die SPD verteidigte dagegen am Mittwoch Gabriels Geste und teilte mit, dass ihr Vorsitzender dazu stehe. „Auch Minister und SPD-Vorsitzende sind nur Menschen“, heißt es in einer SPD-Sammelmail an Bürger. „Angesichts der massiven Beleidigungen der Person und auch der Familie von Sigmar Gabriel war die Geste schlicht eine emotionale Reaktion, zu der Sigmar Gabriel auch steht.“

(mit dpa und epd)


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