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26.07.2016, 14:21 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

US-Wahlkampf: Eine Frage des Formats

Kommentar von Maik Nolte

Bernie Sanders kann sich nach wie vor auf eine starke Anhängerschaft in der demokratischen Partei stützen. Foto: dpaBernie Sanders kann sich nach wie vor auf eine starke Anhängerschaft in der demokratischen Partei stützen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Republikaner zerpflücken sich, die Demokraten demonstrieren um so vehementer Einigkeit: Bernie Sanders sagt Hillary Clinton seine volle Unterstützung im US-Präsidentschaftswahlkampf zu. Unter der Oberfläche rumort es aber heftig weiter in der Partei.

Plötzlich scheinen sie ganz dicke miteinander: Bernie Sanders, unterlegener Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten, stellt sich ohne Wenn und Aber hinter seine frühere Kontrahentin Hillary Clinton. Als hätte es das parteiinterne Hauen und Stechen der letzten Monate nicht gegeben. Im politischen System der USA ist zur Schau gestellte Einigkeit zwar Usus, im aktuellen Wahlkampf aber läuft alles ein bisschen anders – siehe den Aufstand des Republikaners Ted Cruz gegen den Kandidaten Donald Trump.

Cruz zeigte damit Format, Sanders aber auch. Cruz, weil er seine Überzeugung, dass Trump der falsche Kandidat ist, über die Parteiräson stellt. Sanders, weil er die gerade erst ans Tageslicht gekommenen Intrigen der Parteioberen gegen seine Person nur zu eher müdem Nachtreten nutzt. Dass das demokratische Establishment von Anfang an auf der Seite Clintons stand, wusste ohnehin jeder. Sanders kämpfte trotzdem so lange wie möglich weiter, um Clinton mit linken Inhalten vor sich her zu treiben – durchaus mit Erfolg. Sanders hat erreicht, was für ihn zu erreichen war, da kann er sich jetzt auch mal ein bisschen präsidial geben.

Nun ist Clintons Format gefragt. Geschlossenheit zu demonstrieren, wo sich die Republikaner in Selbstzerfleischung üben, ist bloß ein leichter Punktsieg für die Demokraten – zumal sich auch durch ihre Partei ein tiefer Riss zieht. Dem plumpen Schreihals Trump muss Clinton ein die Wähler überzeugendes politisches Programm entgegensetzen, das auch Sanders‘ Forderungen berücksichtigt. Wirft sie diese über Bord, droht auch ihrer Partei eine Revolte. Und das wird sie sich angesichts aktueller Umfragewerte kaum leisten können.


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