Nach Anschlägen BKA: Mehr Flüchtlinge in Deutschland unter Terrorverdacht

Die Terrormiliz IS nutzt nach Erkenntnissen der Ermittler den Flüchtlingsstrom, um Attentäter nach Europa einzuschleusen. Foto: dpaDie Terrormiliz IS nutzt nach Erkenntnissen der Ermittler den Flüchtlingsstrom, um Attentäter nach Europa einzuschleusen. Foto: dpa 

Osnabrück. Wie viele Terroristen kommen mit den Flüchtlingen nach Deutschland? Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) steigt die Zahl der Flüchtlinge, die unter Terrorverdacht stehen und gegen die ermittelt wird.

Derzeit liegen den Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern 410 Hinweise auf mögliche Terroristen unter den Hilfesuchenden vor.

In Deutschland steigt nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) die Zahl der , teilte das BKA auf Anfrage unserer Redaktion mit. Das ist ein deutlicher Anstieg: Mitte Mai war noch von 369 Hinweisen seit Beginn der Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr die Rede. In 60 Fällen leiteten die Behörden Ermittlungsverfahren ein. Auch das ist eine Zunahme, vor zweieinhalb Monaten waren es erst 40 Verfahren.

Behörde warnt: IS schleust Attentäter nach Europa

Das BKA warnte: „Angesichts der anhaltenden Zuwanderungsbewegung nach Deutschland müssen wir davon ausgehen, dass sich unter den Flüchtlingen auch aktive und ehemalige Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten terroristischer Organisationen oder islamistisch motivierte Kriegsverbrecher befinden können.“ Die Attentate von Paris hätten gezeigt, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Flüchtlingsbewegung nutze, um Attentäter nach Europa zu schleusen.

Terrorgefahr nach wie vor hoch

Nach Einschätzung des BKA ist die Terrorgefahr in Deutschland weiter hoch: „Europa und auch Deutschland stehen schon seit längerer Zeit im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus.“ Die jüngsten Attentate – etwa von Würzburg - führten aber nicht zu einer anderen Einschätzung der Gefährdung. „Aktuell liegen uns keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne, auch nicht auf den Bahnverkehr, vor“, schrieb das BKA.

Mehr ausländische Kämpfer

Auch die Zahl der islamistischen Extremisten, die sich aus Deutschland auf den Weg nach Syrien gemacht haben, um dort auf der Seite des IS im Bürgerkrieg zu kämpfen (ausländische Kämpfer oder „foreign fighters“), wächst. Nach jetzigem Stand sind laut BKA rund 840 nach Syrien gereist – im Mai waren es erst 800. Gut ein Drittel sei wieder zurück in Deutschland, etwa 70 waren nach Erkenntnissen der Ermittler in Ausbildungslagern oder haben an Kampfhandlungen teilgenommen.

Unterdessen warnte nach den jüngsten Anschlägen in Bayern Bundesinnenminister Thomas de Maizière davor, Asylbewerber generell unter Terrorverdacht zu stellen.

Vor einer Woche hatte ein afghanischer Flüchtling in einer Regionalbahn in Würzburg Menschen mit einer Axt angegriffen und mehrere verletzt. Am Sonntagabend hatte ein 27-jähriger Flüchtling aus Syrien in Ansbach eine Bombe in der Nähe eines Open-Air-Konzerts explodieren lassen.


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