Lehrer müssten aufmerksamer sein Experte fordert nach Axt-Attacke bessere Aufklärung in Schulen

Von Christian Lang

Die Prävention von islamistischen Anschlägen müsse bereits in der Schule beginnen, sagt der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer. Foto: dpaDie Prävention von islamistischen Anschlägen müsse bereits in der Schule beginnen, sagt der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer. Foto: dpa

Osnabrück. Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer fordert nach der Axt-Attacke von Würzburg eine bessere Präventionsarbeit in Schulen. Um derartige Angriffe zu verhindern, müsse zudem das Zusammenspiel verschiedener Institutionen verbessert werden.

Die Ereignisse in Würzburg hätten gezeigt, „wie schwierig es ist, Taten von radikalisierten Einzeltätern zu unterbinden“, sagte Kiefer, der am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück lehrt, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Um Anschläge zu verhindern, müsse Prävention bereits in Schulen beginnen - mit entsprechend ausgebildeten Lehrern.

„Wir brauchen insbesondere in Schule und Jugendhilfe gut geschultes pädagogisches Personal, das in der Lage ist frühzeitig Radikalisierung zu erkennen. Die entscheidenden Stichworte lauten hier Sensibilisierung und Achtsamkeit.“, so Kiefer. Derzeit gebe es in diesem Bereich noch viel Nachholbedarf. „Oft wird es zu spät gemeldet, wenn bei Jugendlichen solche Tendenzen festgestellt werden“, so Kiefer.

Bereits während des Studiums müssten die angehenden Lehrer für dieses Thema sensibilisiert werden, sagte der Islamwissenschaftler. Später könnten sie in den Schulen von speziellen Aufklärungsexperten angelernt werden, wie sie bei den Schülern eine Radikalisierung bemerken und an welche Stellen sie sich dann zu wenden haben. „Die Schulen tragen eine große Verantwortung. Sie müssen eine hohe Aufmerksamkeit entwickeln“, so Kiefer.

Laut des Islamwissenschaftlers sind aber nicht nur die Schulen gefordert. Verschiedene Institutionen – neben den Schulen unter anderem die Jugendämter – müssten miteinander reden und ein gemeinsames Vorgehen bei islamistischen Jugendlichen entwickeln. Dazu sei es erforderlich, dass alle Akteure auch über die Schritte des jeweiligen anderen Bescheid wüssten. Bislang funktioniere das noch nicht reibungslos. „Bei dem Zusammenspiel herrschen noch viele kommunikative Defizite“, so Kiefer, der auch Publizist ist. Das liege auch daran, dass Lehrer oftmals nicht wüssten, an welche Stellen sie sich wenden könnten. (Weiterlesen: Warnung vor neuen IS-Terroristen in Europa)

Whats App schwer zu kontrollieren

Ein großes Problem sieht Kiefer darin, dass Terrororganisationen die Jugendlichen immer stärker über soziale Medien wie Whats App und Telegram anwerben. Dieser Kommunikationsweg sei von außen kaum zu kontrollieren. „Solche Chats sind nicht einsehbar für uns. Eine Überwachung wäre ein massiver Eingriff in die Privatsphäre“, sagte der Extremismusexperte. Man müsse zwar wachsam sein, dennoch dürften Jugendliche nicht unter Generalverdacht gestellt werden.


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