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18.07.2016, 18:36 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Gewaltausbrüche in den USA: Blutiges Erbe

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Schlagzeilen zu den neuesten Gewaltausbrüchen in den USA: Nach den neuen Todesfällen in Baton Rouge, wo ein schwarzer Irak-Veteran drei Polizisten erschossen hat, ist die Diskussion um Gründe und Folgen der Gewalt allgegenwärtig. Die Zeitungen berichten ausführlich. Foto: Imago/Levine-RobertsSchlagzeilen zu den neuesten Gewaltausbrüchen in den USA: Nach den neuen Todesfällen in Baton Rouge, wo ein schwarzer Irak-Veteran drei Polizisten erschossen hat, ist die Diskussion um Gründe und Folgen der Gewalt allgegenwärtig. Die Zeitungen berichten ausführlich. Foto: Imago/Levine-Roberts

Osnabück. Wer nach den neuen Bluttaten in den USA nach schärferen Waffengesetzen ruft, hat das Problem nicht verstanden. Gewalt und Rassismus lassen sich nicht einfach per Gesetz ausmerzen.

Einmal mehr muss US-Präsident Barack Obama nach einem Gewaltausbruch vor die Presse treten. Einmal mehr ist ihm die Erschütterung über die Bluttat, bei der in Baton Rouge drei Polizisten erschossen wurden, anzusehen. Und einmal mehr ruft Obama seine Landsleute zum Schulterschluss gegen Gewalt auf. Derjenige, der ihm zuhört, ahnt: Obamas Worte sind angemessen. Doch sie werden nichts bewirken.

Die Gewalt, gegen die der US-Präsident schon zu oft angeredet hat, hat sich tief in die amerikanische Gesellschaft hineingefressen. Wie ein bösartiges Geschwür bildet sie Metastasen, zerstört Menschenleben, Familien, Träume, Hoffnungen. Gleiches gilt für den tief sitzenden Rassismus, der in diesen Gewalttaten immer wieder aufflammt.

Was wäre gewonnen, wenn Obama sich auf dem letzten Meter seiner Amtszeit doch noch durchsetzte und die Waffengesetze verschärft würden? Das Recht, sich zu bewaffnen, existiert in den USA seit 200 Jahren, Waffen sind längst überall. Sollten die Hürden für ihren Verkauf steigen, die Gewalt würde dadurch nicht eingedämmt. Dazu ist es zu spät.

Das Gewaltproblem der USA ist keines, dem mit schärferen Gesetzen beizukommen wäre. Es ist auch keines, das auf mangelnde Führung zurückzuführen ist, wie es der republikanische Präsidentschaftsanwärter Donald Trump peinlich polternd vermutet. Es ist ein gesellschaftliches. Die Bürger der USA haben sich das Recht gegeben, eine Waffe zu besitzen. Nun müssen sie endlich lernen, mit dieser Verantwortung umzugehen.

Dazu braucht es keine neuen Gesetze, sondern Vordenker. Sie müssen die richtigen Worte finden und die Herzen erreichen. Obama hätte dieser jemand sein können, doch seine Zeit ist abgelaufen. Das blutige Erbe müssen andere antreten. Nur wer? Trump hat sich selbst disqualifiziert. Bleibt Hillary Clinton, Obamas Nachfolgerin in spe. Clinton hat gesagt, die Tat in Baton Rouge sei ein Angriff auf alle. Da hat sie recht. Aber ob ihre Worte etwas bewirken können? Vermutlich nicht.