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Osnabrücker spielt für Obama „Blueberry Hill“ unter Sicherheitsstufe 1+

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In New Orleans ist der Osnabrücker Blues- und Boogie-Pianist Thomas Gerdiken Ehrenbürger. Jetzt krönt er seine Karriere mit dem Konzert seines Lebens: Er hat vor dem Brandenburger Tor gespielt - im Vorprogramm zur Berliner Rede von Barack Obama.

dö Osnabrück. Gewollt hätten wohl viele. Ausgewählt wurden aber letztlich nur drei Musiker, um die Zuhörer am Brandenburger Tor auf die Berliner Rede des US-Präsidenten Barack Obama einzustimmen: die amerikanische Jazzsängerin Jocelyn B. Smith, der deutsch-amerikanische Geiger David Garrett und der Pianist Thomas Gerdiken aus Osnabrück.

Der Auftritt auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor war nur kurz, eine halbe Stunde lang saß er am Flügel. Aber es war „das Konzert meines Lebens“, sagte Gerdiken unmittelbar danach. Dabei hat der Präsident nicht einmal zugehört. Aber allein die Umgebung hebt das Konzert heraus aus dem Musikeralltag.

„Übertragungswagen stehen bis hinunter zum Dom“, sagt Gerdiken – vermutlich eine leichte Übertreibung, die den Endorphinen geschuldet sein mag, die nach dem Auftritt seinen Körper durchfluten. Weniger übertrieben ist aber der Sicherheitsstandard, mit dem sich der Musiker konfrontiert sah. „Ich durfte in der niedersächsischen Landesniederlassung übernachten, wofür ich außerordentlich dankbar bin“, sagt er. Es war ein wohlbehüteter Schlaf: Auf dem Dach der Landesvertretung wachten Scharfschützen. „Sicherheitsstufe 1+“, sagt Gerdiken.

Dass er hier ein außergewöhnliches Konzert spielen würde, ahnte er schon, als ihn die Agentur mediapool aus Berlin anrief: „Die sagten nur, dass ein besonderer Gast kommen würde“, erinnert sich Gerdiken. Irgendwann hieß es, der Gast stamme aus Washington D.C. –„da war mir klar, um wen es sich handelt.“ Ihm, wohlgemerkt: Denn Teil der Vereinbarung war absolutes Stillschweigen. Wie gern hätte Gerdiken im Vorfeld über sein Engagement gesprochen, sei es zu Marketingzwecken oder auch einfach nur, weil er sich so auf das Konzert freute – durfte er alles nicht. Er bekam „für drei Wochen das Grinsen nicht aus dem Gesicht“, sagt Gerdiken. Aber: „Ich habe es nicht einmal meinen Eltern gesagt.“ Ohnehin war Gerdikens Berliner Konzert ein Schnellschuss: Vor drei Wochen rief ihn die Berliner Agentur an, mit den Worten „Da muss der Ehrenbürger ran“.

Das spielt an auf sein Engagement für die vom Wirbelsturm Katrina zerstörte Stadt New Orleans. Kurz nach der Naturkatastrophe begann Gerdiken, sich für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt im Mississippi-Delta zu engagieren – vorrangig mit seien Mitteln, mit den Mitteln der Musik. So fasste er doppelt Fuß in der Stadt: als Mensch, der Spenden sammelte – und als anerkannter Pianist. Zu „ Germanys Prince of New Orleans Piano “ haben ihn Konzertveranstalter dort geadelt, außerdem wurde er zum Ehrenbürger und zum musikalischen Botschafter der Stadt ernannt – damit dürfen sich nur die allerwenigsten weißen Musiker schmücken, zumal aus Deutschland.

Deshalb hat er sich mit seinem Programm für Barack Obama auch vor der Blues-Stadt verneigt: Gespielt hat er den Klassiker „Blueberry Hill“ von Fats Domino, Stücke von den legendären Musikern James Booker und Dr. John, aber auch eigene Kompositionen. Wobei er sich über seine Funktion völlig im Klaren ist und weiß, dass es gestern vor dem Brandenburger Tor nicht in erster Linie um Blue Notes ging. „Wir bereiten den Auftritt des Präsidenten vor“, sagt Gerdiken.

Dass dieser Auftritt stattfinden würde, war keines sicher. „Erst am Dienstag war wirklich sicher, dass Obama wirklich kommen würde. Und selbst dann können sich die Pläne stündlich ändern“ – immerhin spielte Gerdiken nicht im Vorprogramm eines Rock- oder Popstars, sondern eines der mächtigsten Männer der Erde – so jemand muss mitunter sehr kurzfristig auf die Weltlage reagieren.

Wie auch immer: Gerdiken kam wohl zugute, dass er sich auf dem politischen Parkett durchaus zu bewegen weiß. Das ahnt, wer den groß gewachsenen Mann in seinem eleganten Bühnenoutfit sieht, dem perfekt geschnittenen Gehrock, dem Käppi, dem glitzernden Schmuck. Die Agentur mediapool aber weiß es: „Wir haben beste Erfahrungen mit ihm gemacht, zum Beispiel beim Tag der offenen Tür im Kanzleramt“, sagt Markus Mechelhoff, der das Obama-Musikprogramm verantwortet. Verpflichtet war er deswegen noch lange nicht: „Das Auswärtige Amt musste zustimmen“, sagt Gerdiken, „und der Stab des Präsidenten.“ Und dann hieß es: stillhalten. Gar nicht so leicht, wenn das Herz vor Freude überquillt.


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