Streit um Mindestlohn Laumann: „Diese Menschen verdienen den Mindestlohn“

Verteidigt die Einführung des Mindestlohns: Karl-Josef Laumann (CDU) auch gegen Kritik aus eigenen Reihen. Foto: David EbenerVerteidigt die Einführung des Mindestlohns: Karl-Josef Laumann (CDU) auch gegen Kritik aus eigenen Reihen. Foto: David Ebener

Osnabrück. Der Vorsitzende der Arbeitnehmerorganisation der CDU, Karl-Josef Laumann, hat die Einführung des Mindestlohns gegenüber Kritik aus eigenen Reihen verteidigt. Das sagte er in einem Interview mit unserer Redaktion. Auch die Einführung der Mütterrente sei richtig gewesen.

Herr Laumann, der Wirtschaftsrat Ihrer Partei hadert mit Entscheidungen der großen Koalition, insbesondere der Mindestlohn sowie die Mütterrente werden heftig kritisiert. Was ist da los?

Diese Kritik kann ich wirklich nicht verstehen. Zu dem, was der Wirtschaftsrat der CDU derzeit verbreitet, gibt es einiges zu sagen. Vieles davon hat nichts mit der CDU und den Fakten zu tun. Und manchmal frage ich mich, ob der Wirtschaftsrat überhaupt noch die Buchstaben CDU in seinem Namen führen sollte.

Der CDU-Wirtschaftsrat kritisiert den Mindestlohn als Fehler und warnt vor einem Überbietungswettbewerb, der stattfinde und der sich noch steigern werde. Was ist daran falsch?

Genau diese Äußerungen meine ich. Das hat nichts mit den Fakten zu tun. Ich will es noch mal in aller Ruhe sagen: Wir haben die höchste Erwerbstätigenquote seit der Wiedervereinigung, wir haben rund 43 Millionen Erwerbstätige. Die Einführung des Mindestlohns hat uns ganz offensichtlich keine Jobs gekostet. Wie kann dann der Wirtschaftsrat der CDU sagen, die Entscheidung für den Mindestlohn sei eine ganz große Sünde gewesen? Der Mindestlohn hat vielen Menschen zu mehr Gehalt verholfen und gleichzeitig dazu geführt, dass die Bedeutung der 450-Euro-Verträge etwas zurückgegangen ist. Was ist an der Mindestlohn-Entscheidung also falsch gewesen?

Der gleiche Wirtschaftsrat der CDU kritisiert auch die just beschlossene Mütterrente…

Das ist auch nicht zu verstehen. Mit der Mütterrente erhalten Eltern für jedes Kind, das vor 1992 geboren wurde, mehr Geld. Ab dem 1. Juli werden das pro Kind rund 355 Euro zusätzlich im Jahr sein. Davon profitieren insgesamt etwa 9,5 Millionen Menschen. Damit haben wir einer Generation insbesondere natürlich von Frauen eine Erhöhung ihrer Renten möglich gemacht, die in erheblichem Umfang dafür gesorgt hat, dass die Rentenversicherung überhaupt Beitragszahler hat. Und das in einer Zeit, in der man bei der Kinderbetreuung kaum auf eine staatliche Infrastruktur zugreifen konnte. Ich kann daran beim besten Willen auch ordnungspolitisch nichts Falsches sehen.

Man hat offenbar Angst, die jetzt noch gut gefüllte Rentenkasse zu plündern, und zieht deshalb die Wirtschaftskompetenz der Regierenden in Zweifel…

Entschuldigung, es ist doch ein Umlageverfahren. Ich kann dieses Gerede, die CDU habe keine Wirtschaftskompetenz mehr, nicht mehr hören. Das ist Unsinn. Wir haben eine Bundesregierung, die erstmals seit 1969 keine neuen Schulden mehr gemacht hat. Ich nenne das Wirtschaftskompetenz. Es ist doch CDU pur, keine Schulden mehr zu machen. Das muss auch der Wirtschaftsrat zur Kenntnis nehmen.

Wie erklären Sie sich die harsche Kritik?

Es ist schon ein Stück weit neu für mich, dass Unternehmer in wirtschaftlich guten Zeiten immer wieder eine CDU-geführte Bundesregierung angreifen. Gerade von ihnen erwarte ich Weitblick und nicht Ideologie und alte Grabenkämpfe.

Viele sehen den Mindestlohn als Errungenschaft der SPD.

Das ist Quatsch. Auch die CDU wollte ohne Wenn und Aber den Mindestlohn. Dazu reicht ein kurzer Blick ins Wahlprogramm. Zudem ist der Mindestlohn auch von einem Bundesparteitag der CDU beschlossen worden. Das ist im Übrigen auch ein Verdienst der CDA. Wir müssen uns klarmachen: Die Menschen, die vor allem vom Mindestlohn profitieren, machen oft Jobs, die andere nicht übernehmen möchten. Das sind Jobs darunter, die unseren ganzen Respekt verdienen, die zum Teil richtig hart sind, auch körperlich. Diese Menschen verdienen den Mindestlohn. Und wenn dadurch das eine oder andere Produkt minimal teurer wird: Das muss es uns einfach wert sein.

Weiterlesen: Ab 2017 liegt der Mindestlohn bei 8,84. Einen aktuellen Kommentar dazu lesen Sie hier.


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