Brexit-Debatte Anne Will: Abrechnung mit EU und „Kleinbritannien“

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Talk-Gastgeberin Anne Will. Foto: dpaTalk-Gastgeberin Anne Will. Foto: dpa

sha/red Osnabrück. Ursula von der Leyen hatte es schwer gegen so viel Euro-Skepsis. In der ARD-Talk-Sendung „Anne Will“ traf die deutsche Verteidigungsministerin auf eingefleischte EU-Gegner. Aber auch das britische Establishment bekam sein Fett weg.

Der slowakische Europa-Abgeordnete Richard Sulik gab sich kaum überrascht über den Ausgang des britischen Referendums: „Die EU hat an Attraktivität verloren, sie ist in den letzten acht Jahren von Krise zu Krise getaumelt.“ Die Briten hätten den Euro nicht gewollt, Schengen nicht gewollt und verließen nun folgerichtig diese Gemeinschaft. „Man muss sich fragen, warum die EU so unattraktiv geworden ist“, sagte Sulik. Die Schuldigen hatte er auch schon ausgemacht und forderte sie gleich zum Rücktritt auf: EU-Kommisionspräsident Jean-Claude Juncker und den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz.

„Hässliche Kampagne“ gefahren

Eine heftige Attacke der britischen konservativen Politikerin Anna Firth konterte der Leiter des ARD-Studios in Brüssel, Rolf-Dieter Krause, mit einem harten Urteil über den Stil des Brexit-Lagers: Es habe eine „hässliche Kampagne“ gefahren und der Fremdenfeindlichkeit das Wort geredet. Krause sagte den Briten eine bittere Erkenntnis voraus: „Großbritannien wird sehen, wie begrenzt seine Souveränität ist, wenn es auf sich allein gestellt ist.“ Nach einer Abspaltung Schottlands werde es möglicherweise nur ein „Kleinbritannien“ sein, „ein schwaches Land“, klein im Vergleich zu den USA, China und Indien.

Auch die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen betonte, der Vorteil der EU liege darin, dass sie es kleinen Ländern ermögliche, ihre Kräfte zu bündeln. Uns so sollten sie auch auftreten: „Wir haben als Europäer die Möglichkeit, die europäische Farbe in die Welt zu bringen, was kein Land allein könnte.“

„Protestabstimmung gegen die Eliten“

Der frühere britische Botschafter in Deutschland, Sir Peter Torry, legte sich mit Anna Firth an, die in Großbritannien die Brexit-Kampagne „Women-for-Britain“ initiiert hat: „Es war eine riesige Protestabstimmung gegen die politischen und wirtschaftlichen Eliten in London“, bilanzierte er. Menschen hätten für den Brexit gestimmt, „weil sie glauben, dass Globalisierung für sie nicht funktioniert. Sie sehen die absurden Gehälter in der City von London“, während sie selbst um ihre Jobs fürchteten.


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