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Nach dem Brexit Was Europas Wirtschaft nun droht – und was nicht

Von Burkhard Ewert

Ziemlich rot: Die Börsen reagierten mit deutlichen Kursabschlägen. Langfristig sind die wirtschaftlichen Folgen des britischen EU-Ausstiegs aber keineswegs automatisch fatal. Foto: AFPZiemlich rot: Die Börsen reagierten mit deutlichen Kursabschlägen. Langfristig sind die wirtschaftlichen Folgen des britischen EU-Ausstiegs aber keineswegs automatisch fatal. Foto: AFP

Osnabrück. Viel Panikmache dabei: Die wirtschaftlichen Risiken des Brexits wurden stark übertrieben, um Stimmung gegen den Ausstieg Großbritanniens aus der EU zu machen. So schlimm wird es nicht kommen – zumindest nicht auf der Insel. Ein Kommentar.

Nun mal langsam. Ist Norwegen ein Dritte-Welt-Staat? Lässt es sich in der Schweiz schlecht leben? Die Mitgliedschaft in der EU ist keine zwingende Voraussetzung für wirtschaftliche Prosperität. Großbritannien steht deshalb nicht am Abgrund. Die Briten können nach ihrem Ausstieg Handelsabkommen schließen mit den verbleibenden EU-Staaten einerseits, mit dem Rest der Welt ebenfalls, und das nach Gusto. Ob daraus wirklich ein so großer Schaden erwächst, wie behauptet wird, ist allemal fraglich. Die EU hat schließlich ein ebenso großes Interesse, mit ihren Waren und Dienstleistungen bei den Briten präsent zu sein wie umgekehrt. Da wird man sich schon einigen, und ein etwas an Wert verlierendes Pfund könnte die britische Wirtschaft sogar beflügeln, ebenso wie es an den Aktienmärkten keineswegs nur Verlierer geben wird.

Folgen auf dem Kontinent

Ökonomisch weitaus gravierendere Folgen könnten sich im kontinentalen Europa auftun. Mit den Briten verlieren die Deutschen einen Partner von Gewicht, der in der EU strikt gegen Überschuldung und für Ausgabendisziplin eingetreten ist, auch in der Brüsseler Kommission. Deutschland selbst wird immer sozialistischer, der Süden hatte noch nie etwas gegen überbordende Staatshaushalte einzuwenden, die Niederländer und Skandinavier sind zu schwach, um wirklich Gehör zu finden. Der Druck hin zu einer laxen europäischen Ausgabenpolitik wird also wachsen, schon um sich als EU auch wieder eine Art Gunst in weiteren zweifelnden Ländern zu erkaufen. Das aber wäre ein Weg, der den Staatenbund nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich nur noch weiter in Abseits führt.

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