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22.06.2016, 18:14 Uhr zuletzt aktualisiert vor FINALE BREXIT-DEBATTE

Keep calm - ruhig bleiben

Kommentar von Marion Trimborn

Der britische Premier David Cameron wirbt auf einer Tour um den Verbleib Großbritanniens in der EU. Foto: AFPDer britische Premier David Cameron wirbt auf einer Tour um den Verbleib Großbritanniens in der EU. Foto: AFP

Osnabrück. Es gibt viele gute Gründe für einen Verbleib der Briten in der EU. Doch das wird nicht entscheidend sein. Der Wahlkampf war sehr emotional und hat vielen Menschen Angst gemacht. In der Wahlkabine könnte das Bauchgefühl, dieses Unbehagen über die EU, den Ausschlag geben.

Bauch oder Kopf - was werden die Briten beim Referendum sprechen lassen? Laut Umfragen ist immer noch alles möglich. Gut gemeinte Ratschläge dürften die Briten dabei kalt lassen. Denn der Wahlkampf ist emotional, und das nicht erst seit der Ermordung der pro-europäischen Abgeordneten Jo Cox.

Das Empire stehe vor dem Untergang und werde von der EU aufgesaugt, warnen EU-Hasser wie Boris Johnson. Ihre Kampagne basierte auf Gefühlen und hat den Leuten Angst eingejagt. Auch die abschließende TV-Debatte war ein Spektakel, neue Argumente gab es nicht.

Vieles ist allzu menschlich. Die Briten fühlen sich subjektiv von Einwanderern bedroht und von der EU gegängelt - um objektive Zahlen geht es da nicht. Die Menschen wollen am Altbewährten festhalten. Da viele unsicher sind, was aus Brüssel auf sie zukommt, wollen sie lieber zu dem zurück, was sie kennen - zur alten nationalen Größe.

Vom Kopf her wissen die Briten um die Risiken eines EU-Austritts. Aber sie wollen den Politikern in Brüssel auch einen Denkzettel verpassen. Dieses Bauchgefühl könnte in der Wahlkabine den Ausschlag geben. Umfragen unterschätzen daher oft das Potenzial von Proteststimmen. Entscheidend werden letztlich die Noch-Unentschiedenen sein. Sicher ist, dass ein Brexit nur Verlierer hervorbringen würde. Deshalb ist den Briten zu wünschen: Keep calm and carry on. Ruhig bleiben und weitermachen.


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