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Wichtiger Zielmarkt für Exporte Möglicher „Brexit“bereitet Niedersachsens Wirtschaft Sorgen

Von dpa

Am Donnerstag stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen. Foto: imago/STPPAm Donnerstag stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen. Foto: imago/STPP

Hannover. Der mögliche „Brexit“ bereitet den Unternehmen der niedersächsischen Industrie Sorgen.

Großbritannien sei für die heimischen Betriebe ein äußerst wichtiger Handelspartner, teilte der Hauptgeschäftsführer der IHK-Hannover, Horst Schrage, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die britischen Inseln lagen demnach in den vergangenen Jahren stets unter den Top Drei der bedeutendsten Zielmärkte der niedersächsischen Exporte. Im vergangenen Jahr gingen neun Prozent der gesamten Ausfuhren ins Königreich.

Schon jetzt Auswirkungen auf Wirtschaft

Rund die Hälfte davon exportierte der Automobilsektor. Danach folgten die Ausfuhren aus der Nahrungs- und Futtermittelindustrie mit einem Anteil von rund zehn Prozent. Schon jetzt hat die Abstimmung am Donnerstag Auswirkungen auf die niedersächsische Wirtschaft. Weitere Investitionspläne von niedersächsischen Betrieben liegen laut IHK-Chef Schrage derzeit auf Eis.

„Großbritannien gehört mit Deutschland und Frankreich zu den drei größten Volkswirtschaften der EU“, sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Niedersachsenmetall, Volker Schmidt. „Wenn eine dieser drei Säulen herausbricht, lässt das keinen ungerührt“.

Höhere Zulassungsbeschränkungen befürchtet

Laut einer aktuellen Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern lässt jedes fünfte Industrieunternehmen auf der Insel produzieren. Über 60 Prozent der Mitglieder fürchteten im Falle eines „Brexit“ höhere Zulassungsbeschränkungen für die eigenen Produkte, sagte Schmidt.

Sollten sich die Briten gegen die EU entscheiden, befürchtet der Verband zudem langwierige Austrittsverhandlungen, die mindestens fünf Jahre andauern könnten. „Das bedeutet eine enorme Unsicherheit für die Unternehmen und könnte auch zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten führen“, sagte Schmidt.

Warnend äußerte sich auch der Vorstandsvorsitzende der niedersächsischen Landesbank Nord LB, Gunter Dunkel. Dunkel ist britischer Honorarkonsul in Niedersachsen. Als Land in der Mitte Europas profitiere Niedersachsen in besonderer Weise von der wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas. Bliebe Großbritannien nach einem „Brexit“ allerdings Teil des Europäischen Wirtschaftsraums, blieben die Auswirkungen für die niedersächsische Wirtschaft wohl verkraftbar.