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20.06.2016, 14:23 Uhr zuletzt aktualisiert vor ERSTE BÜRGERMEISTERIN IN ROM

Protestpartei gewinnt Wahlen in Rom - Die Abrechnung

Kommentar von Marion Trimborn

Die Protestbewegung Fünf-Sterne stellt mit Virginia Raggi künftig die Bürgermeisterin in Rom. Foto: imago/InsidefotoDie Protestbewegung Fünf-Sterne stellt mit Virginia Raggi künftig die Bürgermeisterin in Rom. Foto: imago/Insidefoto

Osnabrück. Eine Anti-Politikerin regiert künftig Rom. Virginia Raggi von der europakritischen Protestbewegung Fünf Sterne hat die Wahlen gewonnen und wird die erste Bürgermeisterin Roms. Die Menschen sind enttäuscht von den etablierten Parteien.

Italien gilt öfter mal als Land des süßen Nichtstuns und des steten Chaos in der Politik. Bei den Kommunalwahlen haben die Italiener für etwas Überraschendes gestimmt: für Normalität und Vernunft. Die erste weibliche Bürgermeisterin von Rom, Virginia Raggi, tritt für Forderungen ein, wie sie einfacher nicht sein könnten: Kaputte Straßen reparieren, Dreck und Smog beseitigen, Schulden abbezahlen und Korruption ausmerzen. Rom solle sich nicht für die Olympischen Spiele bewerben, weil das Geld fehle.

Die Römer sehen in der jungen Politikerin die einzig glaubwürdige Alternative. Gerade weil sie keiner etablierten Partei, sondern der Fünf-Sterne-Bewegung des früheren Starkomikers Beppe Grillo angehört. Die Protestbewegung ist nun regierungsfähig, auch in Turin gewann deren Kandidatin.

Die Wahlen in Italien belegen einen europaweiten Trend: Die Bürger haben die selbstvergessene Politikelite satt, die weit weg von den wirklichen Sorgen der Menschen agiert. Die die ganz normalen Ansprüche von Bürgern an Politik immer weniger erfüllt. Das zeigt sich in Italien genauso wie in Großbritannien mit der Brexit-Debatte oder dem Erstarken der AfD in Deutschland.

Dass die Protestler auch offen europa- und teilweise einwanderungsfeindlich sind, überrascht nicht. Die Elite ignorierte etwa zu lange die berechtigen Fragen der Bevölkerung nach den Grenzen von Einwanderung. Die EU liefert keine Antworten mehr.

Das alles verändert das Parteiensystem, fächert es auf. In Italien haben die etablierten Parteien an Glaubwürdigkeit und Einfluss verloren. Das gilt insbesondere für Regierungschef Matteo Renzi, der jüngst noch als Star der Linken galt. Doch seine linksliberale Partei PD wird von Korruptionsskandalen erschüttert und bewegt wenig. Renzi trat an, um die alte Politikerkaste zu „verschrotten“ – jetzt gehört er selbst dazu.


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