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17.06.2016, 16:29 Uhr zuletzt aktualisiert vor MORD AN JO COX

Brexit-Debatte - Mehr Respekt ist nötig

Kommentar von Marion Trimborn

Ein „Vote-Leave“-Plakat ruft in Charing ruft die Briten dazu auf, beim Referendum für den Austritt aus der EU zu stimmen. Foto: AFPLEin „Vote-Leave“-Plakat ruft in Charing ruft die Briten dazu auf, beim Referendum für den Austritt aus der EU zu stimmen. Foto: AFPL

Osnabrück. Der Mord an der pro-europäischen Abgeordneten Jo Cox überschattet den Wahlkampf zum EU-Referendum in Großbritannien. Mehr Respekt vor Politikern ist nötig.

Der feige Mord an der britischen Abgeordneten Jo Cox hat Großbritannien still werden lassen. Die Brexit-Kampagne ist unterbrochen. Gleichgültig, welche Motive den psychisch kranken Täter antrieben: Die Tat ist der Tiefpunkt eines hitzigen und bereits zuvor eskalierten EU-Wahlkampfs in Großbritannien. Der unsachlich und überzogen emotional geworden ist. Etwa wenn der Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson die EU mit Hitler vergleicht. Inwiefern der Tod der pro-europäischen Jo Cox das Ergebnis beeinflussen wird, ist noch unklar. Bei dem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen könnten allerdings die bisher Unentschlossenen die Wahl entscheiden, würden sie zugunsten des Verbleibs stimmen.

In vielen westlichen Demokratien sind Misstrauen und Frustration gegenüber Politikern gewachsen. Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Die sogenannten sozialen Medien haben den Ton der politischen Debatte verschärft, es wird munter gepöbelt. Da kommen Einzeltäter auf die wahnwitzige Idee, das Recht zu haben, Menschen zu töten. Zum Miteinander in einer Demokratie gehört aber, unterschiedliche politische Meinungen zuzulassen und Standpunkte zu akzeptieren, die von den eigenen abweichen. Wir müssen zurückkommen zu einem friedfertigen Wertekonsens. Dabei ist jeder einzelne Bürger gefragt, aber auch die Politiker.


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