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17.06.2016, 05:05 Uhr EU-REFERENDUM DER BRITEN

Die Briten und der Brexit: Ein Dominospiel

Von Marion Trimborn


Wird Europa zerrissen? Am 23. Juni entscheiden die Briten über den Verbleib in der EU. Foto: Jörn MartensWird Europa zerrissen? Am 23. Juni entscheiden die Briten über den Verbleib in der EU. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Briten entscheiden in einem Referendum am 23. Juni über ihren Verbleib in der EU. Ein Austritt - der Brexit - würde die EU ökonomisch und politisch schwächen. Der Zerfall könnte fortschreiten. Egal wie das Referendum ausgeht, muss sich die EU neu erfinden.

Der 23. Juni ist ein Schicksalstag - von vielen unterschätzt. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU ist inzwischen eine realistische, sogar wahrscheinliche Möglichkeit.

Der Brexit würde die EU empfindlich schwächen. Nicht nur ökonomisch, sondern vor allem politisch. Der Austritt wäre ein enormer Imageschaden für die EU, das Modell stünde in Frage. Außenpolitisch würde der Einfluss sinken, die Briten sind immerhin ehemalige Weltmacht und eine Atommacht. Ohne die zweitgrößte Volkswirtschaft gäbe es weniger Geld in der EU-Kasse und keinen Welt-Finanzplatz in der EU mehr. Deutschland verlöre einen verlässlichen Partner am Verhandlungstisch.

Vor allem kann der Brexit der erste Dominostein sein. In Frankreich fordert Marine le Pen vom Front National die Auflösung der EU. Sie hat Chancen, die nächste Präsidentin in Frankreich zu werden.

Die EU muss sich eingestehen, unattraktiv geworden zu sein . Seit der Osterweiterung fehlt es an Harmonie zwischen den neuen Staaten und der Kern-EU. Europa gilt inzwischen vielfach als Bürokratie-Moloch und als unfähig, mit Problemen fertig zu werden. Man muss fragen, welchen Anteil die Politik von Kanzlerin Merkel daran hat. Eine wirkliche Lösung der Griechenlandkrise hat Deutschland bisher verhindert. Mit ihrer Flüchtlingspolitik, die sie immer noch anderen aufdrängen will, verstörte die Kanzlerin viele EU-Staaten. Die Flüchtlingskrise ist übrigens ein wesentliches Argument der Brexit-Befürworter.

Egal wie das Referendum ausgeht: Die EU muss wieder Visionen haben, sich neu erfinden, damit sie die Menschen für Europa begeistern kann. Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy fordert Neuverhandlungen der EU-Verträge. Das ist der richtige Weg.


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