Verstümmelung wird massenhaft praktiziert 17-jährige Ägypterin stirbt nach Beschneidung

Die Verstümmelung der Geschlechtsorgane von Frauen ist in Ägypten verboten, wird aber massenhaft praktiziert. Der Tod einer jungen Frau bei einer dieser Operationen hat das Problem nun auf die Tagesordnung gesetzt. Moslems und Christen weisen die Praxis gemeinsam zurück. Symbolfoto: EPA/AMEL PAINDie Verstümmelung der Geschlechtsorgane von Frauen ist in Ägypten verboten, wird aber massenhaft praktiziert. Der Tod einer jungen Frau bei einer dieser Operationen hat das Problem nun auf die Tagesordnung gesetzt. Moslems und Christen weisen die Praxis gemeinsam zurück. Symbolfoto: EPA/AMEL PAIN

Kairo. Die Verstümmelung der Geschlechtsorgane von Frauen ist in Ägypten verboten, wird aber massenhaft praktiziert. Der Tod einer jungen Frau bei einer dieser Operationen hat das Problem nun auf die Tagesordnung gesetzt. Moslems und Christen weisen die Praxis gemeinsam zurück.

Mayar Mohammed ist tot. Die 17-Jährige starb nach schweren Blutungen in einer Privatklink im ägyptischen Sues in der vergangenen Woche. Sie hatte sich dort einer Beschneidung ihrer Geschlechtsorgane unterzogen. Die Polizei war nicht in der Lage, die verantwortliche Ärztin zu finden und zu verhaften. Nun diskutiert das Land über den illegalen Eingriff, der in streng moslemischen Kreisen befürwortet wird.

Fast 30 Millionen Betroffene

Die Beschneidung bei Frauen ist in Ägypten zwar verboten, durchgesetzt wird die Regelung aber eher selten. „Es ist furchtbar, dass die Polizei nicht entschieden gegen die Beschneidung bei Frauen vorgeht“, meint Suad Abu-Dayeh, Direktorin für den Nahen Osten der Frauenrechtsgruppe Equality Now. In Ägypten seien 27 Millionen Frauen von dem Problem betroffen, ergänzt sie. Bei dem Vorgang werden Teile der Klitoris oder auch die gesamten äußerlichen Geschlechtsorgane entfernt.

Ägypten verliert den Kampf

Seit 2008 ist der Eingriff bereits gesetzlich verboten, daraus resultierende Todesfälle werden als Totschlag verfolgt. Doch lediglich der ägyptische Arzt Raslan Fedl ist bislang auch verurteilt worden, nachdem ein 13-jähriges Mädchen nach seiner Operation gestorben ist. „Er ist zwar zu zwei Jahres Gefängnisstrafe verurteilt worden, hat aber bislang keinen Tag hinter Gittern verbracht“, sagt Abu-Dayeh. „Ägypten verliert den Kampf gegen die Beschneidung von Frauen.“ Kollegen würden zwar nicht zugeben, den Eingriff vorgenommen zu haben, erklärt der Internist Mohamed Borgi. „Aber sie sagen auch, die Operation werde aus religiösen Gründen vorgenommen und sie hätten keine Probleme damit.“

Laut des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen werden 82 Prozent aller Beschneidungen bei Frauen in Ägypten von ausgebildeten Medizinern vorgenommen. „Das Problem dabei ist, dass es keine Richtlinien dafür gibt“, meint Borgi. „Manchmal schaut ein junger Arzt einem erfahrenen Kollegen dabei zu. Und noch schlimmer ist es, wenn es nur theoretische Erläuterungen gibt und ein junger Mediziner dann den Eingriff alleine durchführt.“

Mutter wurde verhaftet

Die Zwillingsschwester der verstorbenen Mayar Mohammed hat die Beschneidung ebenfalls vornehmen lassen und überlebt. Ihre Mutter wurde inzwischen verhaftet. „Wir sind mit dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen, weil wir hoffen, diese Tragödie in eine Gelegenheit zu verwandeln“, sagt Helal Hanny von der ägyptischen Koalition für Kinderrechte. „In diesem Fall ist die Mutter eine Krankenschwester. Der verstorbene Vater war Arzt.“ Nun soll gerade bei der Landbevölkerung Aufklärung betrieben werden. Dort ist die Beschneidung von Frauen nicht nur bei Moslems, sondern auch bei koptischen Christen verbreitet. „Es gibt ebenso regionale wie religiöse Unterschiede“, sagt der UNICEF-Repräsentant in Ägypten, Bruno Maes. So werden auf dem Land 75 Prozent aller Frauen bis zu einem Alter von 19 Jahren beschnitten. In ägyptischen Städten sind es 31 Prozent, wie UNICEF erklärt.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hat vor gut einem Monat die religiösen Führer des Landes um Unterstützung im Kampf gegen die Beschneidung gebeten. Die sunnitische Azhar-Universität und Bischöfe der koptischen Kirche haben den Eingriff kürzlich offiziell mit einem Bann belegt. Mit dem heutigen medizinischen Wissen müsse die Beschneidung von Frauen als schädlich betrachtet werden, sagte der Gynäkologe Gamal Abou El Serour von der Azhar-Universität. Den Frauen werde dadurch das sexuelle Empfinden genommen. Dies sei aber keine Position des Islams. „Der Islam garantiert ihr dieses Recht. Die Praxis muss als Eingriff in die Privatsphäre der Frau und Schädigung ihres Körpers, was Gott verbietet, abgelehnt werden.“


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