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13.06.2016, 15:37 Uhr zuletzt aktualisiert vor MERKEL IN CHINA

Kanzlerin hat keinen Bammel vor China - Geht doch

Kommentar von Marion Trimborn

Kanzlerin Merkel bei Regierungskoonsultationen in China. Foto:  imago/XinhuaKanzlerin Merkel bei Regierungskoonsultationen in China. Foto: imago/Xinhua

Osnabrück. Auf ihrer China-Reise findet Kanzlerin Merkel deutliche Worte. Differenzen mit Peking spricht sie offen an. Das ist gut so.

Sie lässt nicht locker. Gleich zum Auftakt ihrer China-Reise pocht Kanzlerin Merkel auf Rechtsstaatlichkeit . Ihr Appell, den Nichtregierungsorganisationen Freiräume zu lassen, ist ein klares Signal an die Führung. Merkel stellt auch die Einstufung Chinas als Marktwirtschaft in Frage. Die Kanzlerin ist unbequem und erntet Widerspruch . Immerhin signalisiert Peking im Streit um Inseln im ost- und südchinesischen Meer Entgegenkommen.

Das beweist: Merkels Chancen, in China etwas zu erreichen, sind besser als viele denken. Gegenüber dem Reich der Mitte gelingt der Kanzlerin eine Annäherung ohne Anbiederung. Eine Linie, die Kritiker in Merkels Auftreten gegenüber dem türkischen Despoten Erdogan schmerzlich vermissten.

Die Kanzlerin weiß geschickt die Begehrlichkeiten der chinesischen Führung zu nutzen. China arbeitet auf einen Status als Großmacht hin – Merkel reist deshalb mit dem halben Kabinett an. Bei ihrer Reise werden Milliardenabkommen unterzeichnet - Merkel fordert die Gleichbehandlung deutscher Firmen. Damit sagt die Kanzlerin: Wer deutsche Unternehmen wie den Roboterbauer Kuka kaufen will, muss seinen Markt auf faire Weise öffnen.

Merkel ist in China beliebt und gilt als glaubwürdig. In der anspannten Situation zwischen Amerika, Europa und Peking sollte sie weiter vermitteln und dabei dieses Kapital nutzen.


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