Flüchtlingskrise Flüchtlingsunterkunft Bramsche wird Ankunftszentrum

Von Marion Trimborn

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) im Januar  in der  Aufnahmestelle in Bramsche-Hesepe. Foto: David EbenerNiedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) im Januar in der Aufnahmestelle in Bramsche-Hesepe. Foto: David Ebener

Osnabrück. Auch wenn derzeit immer weniger Flüchtlinge nach Niedersachsen kommen: Das Land will die Aufnahme verbessern und dem Bund schnellere Asylentscheidungen ermöglichen. Dafür richtet Niedersachsen am Erstaufnahmestandort Bramsche-Hespe ein zweites Ankunftszentrum für Flüchtlinge ein.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe das Angebot Niedersachsens angenommen, teilte das Innenministerium unserer Redaktion mit. Ab wann Bramsche die neue Aufgabe übernimmt, sei noch offen. Der Bund erarbeite derzeit einen Zeitplan.

Ein erstes Ankunftszentrum besteht seit 2015 in Bad Fallingbostel. Dort und künftig in Bramsche bleiben Asylsuchende einige Tage, um ihren Antrag stellen zu können und angehört zu werden. Danach werden sie auf andere niedersächsische Erstaufnahmestandorte verteilt. Dort sind sie einige Wochen untergebracht, werden betreut, beraten und bekommen erste Kurse zur Integration sowie Sprachunterricht (sogenannte Wegweiserkurse). In den laut BAMF „einfachen positiven sowie negativen Fällen“ erhalten die Asylsuchenden vor Ort auch ihren Bescheid. Schwierigere Fälle dauern beim BAMF länger, daher werden die Menschen dann auf die Kommunen verteilt.

Da keine Umbauten in dem Lager in Bramsche nötig seien, entstehen nach Angaben des Innenministeriums keine zusätzlichen Kosten.

Pistorius hofft auf klarere Entscheidungen

Innenminister Boris Pistorius (SPD) erhofft sich davon klarere Entscheidungen. Der SPD-Politiker sagte in einem Gespräch mit unserer Redaktion: „Flüchtlinge müssen schnell Klarheit haben, ob sie hier bei uns bleiben können oder nicht.“ Es sei den Menschen nicht zumutbar, Wochen oder Monate darum zu bangen, ob sie sich hier ein neues Leben aufbauen könnten oder nicht. Deshalb sei bereits im vergangenen Jahr in Bramsche (Landkreis Osnabrück) eine Prozedur entwickelt worden, die einen Asylentscheid binnen weniger Tage ermögliche. Pistorius sagte: „Dass das funktioniert, sehen wir in Bad Fallingbostel: Es wird Hand in Hand gearbeitet und die Flüchtlinge wissen sehr frühzeitig, wie es mit ihnen weitergeht.“

Das Land und das BAMF seien sich darüber einig, dass ein zweites Ankunftszentrum in einem Flächenland wie Niedersachsen sinnvoll sei, um schwankenden Zugangszahlen in geeigneter Weise gerecht zu werden, hieß es aus dem Ministerium. Das gelte insbesondere auch für steigende Zahlen. In Hochzeiten sei mit 600 Flüchtlingen und mehr pro Tag zu rechnen. „Mit der jetzigen Zielkapazität von 400 bis 600 in Bad Fallingbostel und 200 in Bramsche ist diese Annahme gedeckt“, berichtete das Ministerium. „Wie sich die Zahlen aber tatsächlich entwickeln werden, vermag niemand vorherzusagen.“

Vier weitere Standorte bleiben

Die dann noch vier Erstaufnahmestandorte für Flüchtlinge – Braunschweig, Friedland, Oldenburg und Osnabrück – bleiben unabhängig vom geplanten Ankunftszentrum in Bramsche erhalten. Mittel- bis langfristig werden an den vier anderen Standorten voraussichtlich aber keine Flüchtlinge mehr registriert.

Lesen Sie mehr über die Erstaufnahmeeinrichtung in Bramsche-Hesepe

In den vergangenen Monaten sind immer weniger Flüchtlinge nach Niedersachsen gekommen. Waren es im Herbst noch bis zu 1900 Asylsuchende täglich, so sind es inzwischen im Tagesschnitt nur noch unter 100. In den fünf Erstaufnahmestandorten des Landes sowie den Notunterkünften sind aktuell etwas mehr als 3600 Asylsuchende untergebracht, in Bramsche 211. Zum Vergleich: Die landeseigenen Einrichtungen mussten im Herbst noch 38 000 Asylbewerber beherbergen, in Bramsche waren zeitweise mehr als 3 500 Menschen untergebracht.

Das Lager Bramsche-Hesepe war 1989 zunächst Grenzdurchgangslager für Spätaussiedler, seit 2014 ist es Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende. Durch die Schließung der Balkanroute haben sich die Flüchtlingszahlen in ganz Deutschland reduziert und die Unterkünfte sind nicht mehr so stark belegt.