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„Hart aber fair“ mit Serdar Somuncu Talk bei Plasberg: Warum ist Donald Trump so erfolgreich?

Von Christian Lang

„Die Methode Trump – erobern Krawallmacher und Populisten die Macht?“ Diese Frage sollte am Montagabend beim Plasberg-Talk geklärt werden. Foto: Imago/Metodi Popow„Die Methode Trump – erobern Krawallmacher und Populisten die Macht?“ Diese Frage sollte am Montagabend beim Plasberg-Talk geklärt werden. Foto: Imago/Metodi Popow

Osnabrück. Mit seinen provokanten Äußerungen hat Donald Trump im US-Wahlkampf viele Wähler geködert. Doch warum ist die „Krawall-Methode“ so erfolgreich? Diese Frage sollte am Montagabend bei „Hart aber fair“ geklärt werden. Die Quintessenz: Vor Trump als Präsidenten sollte man keine Angst haben.

Für viele Menschen ist die Vorstellung, dass Donald Trump der kommende Präsident der USA wird, eine Schreckensvorstellung. So auch für CDU-Politiker Norbert Röttgen: „Ich habe Angst vor Trump“, sagt er. Auch für den Fall, dass der Milliardär nicht gegen seine Kontrahentin Hillary Clinton gewinnen wird, sieht er die die Vereinigten Staaten vor schwierigen Monaten. „Das wird der schmutzigste Wahlkampf aller Zeiten“, befürchtet Röttgen.

Warum ist Trump so erfolgreich?

Trump ist ein Polterer, einer, der gegen Minderheiten hetzt und einfache Lösungen anbietet – aber sind das auch die Gründe für seinen Erfolg? Worin diese bestehen, darüber herrscht bei den Gästen von „Hart aber fair“ keine Einigkeit. Ist es die Tatsache, dass der Milliardär lange Zeit von anderen US-Politikern unterschätzt wurde, wie Journalist Ingo Zamperoni vermutet? Oder ist es einfach nur der Ausdruck der tiefen Unzufriedenheit in der US-Bevölkerung über die derzeitige Politik, wie Roger Köppel glaubt? Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern vermittele Trump den Eindruck des Authentischen. Er erwecke den Eindruck, dass er die Sorgen und Nöte der Amerikaner ernst nehme, so das Mitglied des Schweizer Nationalrats. Die Wähler Trumps automatisch als Idioten hinzustellen, sei für ihn nicht zielführend. „Man darf die Menschen in den USA nicht unterschätzen“, sagt er.

„Eindeutige Aussagen besser für Amerika“

Der Erfolg Trumps sei in erster Linie auch den vergangenen Jahren unter Präsident Obama geschuldet, betont Kabarettist Serdar Somuncu. „Obama war nicht der Superstar, für den man ihn zu Beginn seiner Amtszeit gehalten hat“, sagt er. Der Präsident habe in vielen Bereichen zögerlich gehandelt und bei Konflikten oftmals die nötige Entschlossenheit vermissen lassen. „Für Amerika ist es besser, wenn eindeutige Positionen vertreten werden“, so Somuncu weiter. Übrigens nicht nur für die Amerikaner: Eine Außenpolitik Trumps, die auf klare Aussagen beruhe, sei womöglich für andere Länder berechenbarer als die Politik Obamas, sagt er.

Trägt Politik Mitschuld für Angriffe auf Flüchtlingsheime?

Die Gründe für die Tatsache, dass populistische Positionen auf der ganzen Welt an Zulauf gewinnen, sorgt ebenfalls für Diskussionen. Für Roger Köppel ist Ausdruck der Fehler der etablierten Parteien. „Sie tabuisieren die Themen, die die Leute bewegen“, sagt er. Mit seiner auf Deutschland gemünzten These, die Politik trage die Mitschuld daran, wenn Flüchtlingsheime brennen, steht er ziemlich alleine da in der Runde. Deutlich differenzierter argumentiert dagegen Serdar Somuncu, der eine Vielzahl von Gründen für den Zulauf der Populisten ausmacht – unter anderem den 11. September und die daraus resultierenden Ängste bezüglich des Islams sowie die zunehmende Verteilungsungerechtigkeit auf der Welt.

Schümer glaubt an gemäßigten Trump

Doch was passiert, wenn in ein paar Monaten das vor kurzem noch Unvorstellbare eintritt und Donald Trump tatsächlich ins Weiße Haus einzieht? Laut Dirk Schümer sei dies keine Vorstellung, vor der man sich per se fürchten müsse. Schließlich sei Trump gar kein Bösewicht, er provoziere mit seinen Aussagen oftmals gezielt, um Wähler zu gewinnen. Als Präsident würde sich der Milliardär mäßigen, so der Schweizer Politiker. Auch Kabarettist Somuncu glaubt nicht daran, dass Trump die Welt ins Unglück stürzen würde. „Vieles, was Trump sagt, ist einfach nur eine Masche. Wir müssen aber lernen, nicht immer nur in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken“, sagt er. Norbert Röttgen hat dagegen mehr Sorge vor einem Präsidenten Trump. „Er könnte ein ziemlich hemmungsloser Präsident werden“; befürchtet er. Die kommenden Monate werden es zeigen, ob der Milliardär der kommende US-Präsident sein wird – und erst dann wird sich herausstellen, wer mit seiner These recht hat.

Die Gäste im Überblick:

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses

Serdar Somuncu, Schriftsteller und Kabarettist

Ingo Zamperoni, USA-Korrespondent der ARD

Dirk Schümer, Europa-Korrespondent der Welt-Gruppe

Roger Köppel, Mitglied des Schweizer Nationalrats, Schweizer Volkspartei (SVP)