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Diskussion mit Maas und Gauland Anne Will: Wie rassistisch ist Deutschland?

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Rassismus ist das Thema der TV-Talkshow Anne Will an diesem Sonntag. Foto: dpaRassismus ist das Thema der TV-Talkshow Anne Will an diesem Sonntag. Foto: dpa

Osnabrück. Wie rassistisch ist Deutschland? So lautete das Thema bei Anne Will am Donnerstag. Lange wurde allerdings nur darüber diskutiert, wie rassistisch der AfD-Politiker Alexander Gauland ist.

In der ersten Viertelstunde der Sendung wurden noch einmal bekannte Positionen erörtert. Alexander Gauland und der Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Eckart Lohse stritten über die Aussage des AfD-Politikers in einem Interview. Was hat Gauland den Journalisten gesagt und mit welcher Absicht? „Herr Lohse, Sie haben mich reingelegt“, wiederholte der Politiker einige Male. Über die Aussagekraft der Äußerung gibt es jedoch keine Erkenntnis. „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, wird Gauland in dem Interview zitiert. Stimmt das?

Unterschiedlicher Rassismus

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt machte auf eine Unterscheidung aufmerksam: In Deutschland gebe es einen grundständigen Rassismus, der je nach Definition des Begriffs bei 20 Prozent liege. Außerdem gebe es „Begleitschwierigkeiten bei dem Wandel zu einer Einwanderungsgesellschaft“. Hier sah Bundesjustizminister Heiko Maas einen Ansatzpunkt. Es gebe Menschen, die an einem Dialog nicht mehr interessiert sind, die anderen müsse man abholen. Denn Zuwanderung sei im Interesse aller. „Rassismus ist nicht nur menschenverachtend, er bedroht auch Arbeitsplätze“, sagte Maas.

Maas: „Nicht mehr schweigen“

Bilgin Ayata, Migrationsforscherin, machte deutlich, dass die aktuellen Debatten kein neues Phänomen aufgreifen. Die NSU habe gezeigt, dass Übergriffe auf Migranten zu oft nicht erkannt und erfasst werden. „Wir müssen nicht nur reagieren, wenn es offensichtlich ist, sondern dem Alltagsrassismus entgegentreten“, sagte sie. Auch Maas forderte die Zivilgesellschaft auf, Haltung zu zeigen: „Die schweigende Mehrheit muss endlich die Gardine aufmachen und nicht mehr schweigen.“

Gauland im Mittelpunkt

Die meiste Zeit des Abends ging es allerdings nicht um die Meinung der Bevölkerung, sondern um die des AfD-Politikers Gauland. Findet er, dass Deutschland Zuwanderung braucht? „Die wir zurzeit haben, brauchen wir nicht“, sagt er, „das Land soll so bleiben, wie wir es von unseren Vätern ererbt haben.“ Diskutiert wurde auch, warum er Sätze verwendet, die in der rechtsextremen Szene verbreitet sind („Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land.“) „Ich fand den Satz einleuchtend und klug“, so seine Begründung. Wenn schon die Frage, wie rassistisch Deutschland ist, nicht beantwortet wurde, so doch wenigstens die Frage, wie rassistisch Gauland ist. Merkwürdig mutet auch seine Aussage an, politische Diskussionen könnten keine Gewalt auslösen. Die AfD stifte nicht dazu an, Asylbewerberheime anzuzünden, sagte Gauland. Eine sachliche Debatte fördert die Partei allerdings auch nicht, wie Maas nicht müde wurde zu betonen.

  • Die Gäste:
  • Heiko Maas (SPD), Bundesjustizminister
  • Alexander Gauland, AfD-Politiker
  • Eckart Lohse, Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Bilgin Ayata, Migrationsforscherin
  • Werner J. Patzelt, Politikwissenschaftler


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