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16.05.2016, 17:53 Uhr zuletzt aktualisiert vor STREIT UM ESC

Deutschland auf letztem Platz bei ESC: Mehr Gelassenheit

Kommentar von Marion Trimborn

Die deutsche Kandidatin Jamie-Lee beim Eurovision Song Contest. Foto: imago/ITAR-TASSDie deutsche Kandidatin Jamie-Lee beim Eurovision Song Contest. Foto: imago/ITAR-TASS

Osnabrück. Mal wieder der letzte Platz: Deutschland hat mit Kandidatin Jamie-Lee beim Eurovision Song Contest nur elf Punkte bekommen. Der ESC ist auch politisch - und als Gesangswettbewerb nicht mehr ernst zu nehmen.

Ups, es ist schon wieder passiert. Deutschland hat beim Eurovision Song Contest zum zweiten Mal hintereinander den letzten Platz belegt. Und die Nation fragt sich besorgt, woran es gelegen hat. War es das Lied des musikalischen Küken Jamie-Lee? Oder hat in Europa keiner mehr die Deutschen lieb? Werden sie seit der Euro-Rettung nur noch als Zuchtmeister Europas gesehen? Oder gelten sie als die Spalter der EU in der Flüchtlingskrise?

Vielleicht ist es von allem etwas. Vor 60 Jahren gestartet, hat der Song Contest in den vergangenen Jahren immer wieder Debatten angestoßen. 2014 ging es mit der österreichischem Dragqueen Conchita Wurst um Toleranz und Transvestiten. Jetzt hat die ukrainische Gewinnerin Jamala ein Lied über die Deportation der Krim-Tartaren vorgetragen, ganz klar eine Analogie zur russischen Annexion im Jahr 2014. Der ESC ist politisch, er ist wenigstens zum Teil eine Volksabstimmung über die tagesaktuelle Beliebheit der Nationen.

Als Gesangswettbewerb ist er nicht mehr ernst zu nehmen. Denn die meisten Lieder sind belanglose Dutzendware, die gleich wieder in Vergessenheit gerät.

Da hilft nur Eins: Gelassenheit. Denn immerhin hat Deutschland mit dem Fräuleinwunder Lena Meyer-Landrut 2010 gesiegt. Authentische Sänger sind überzeugend, auch in ihrer Landessprache - von dieser Maxime war Jamie-Lees Auftritt mit fernöstlichen Manga-Klamotten weit entfernt.

Und warum entscheiden eigentlich nicht die Zuschauer alleine? Die Jurys sind mit ihrer bemühten politischen Linientreue nicht mehr zeitgemäß. Die Zuschauer sehen das Ganze gelassener. So gab das russische Publikum Jamala trotz Ukraine-Krise zehn Punkte, die zweithöchste Wertung. Ganz nach dem Motto Jamalas: „Love and Peace“ (Liebe und Frieden).


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