Mao Tsetung „Ich habe meine Mutter getötet“ – Kulturrevolution in China

Von dpa


Peking. Vor 50 Jahren begann in China die Kulturrevolution. Mit der Hetzjagd stürzte Mao Tsetung das Land ins Chaos. Als Jugendlicher verehrte ihn Zhang Hongbing wie einen Gott – und lieferte seine Mutter ans Messer.

Als 16-jähriger Rotgardist tat Zhang Hongbing etwas, was er sein Leben lang bereuen sollte. Als seine Mutter den Personenkult um den „Großen Vorsitzenden“ Mao Tsetung kritisierte und empört seine Bilder verbrannte, meldete der Junge sie den

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Die „Große Proletarische Kulturrevolution“ war eine politische Massenkampagne von 1966 bis 1976, die der chinesische Staatsgründer Mao Tsetung initiiert hatte. Es ist eines der dunkelsten Kapitel der modernen chinesischen Geschichte und bis heute ein Tabuthema im Land. China versank während der Kulturrevolution im Chaos. 36 Millionen Menschen wurden direkt politisch verfolgt. Nach verlässlichen Schätzungen kamen zwischen 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen ums Leben.

Es begann mit einer erweiterten Tagung des Politbüros am 16. Mai 1966 in Peking, auf der eine „Gruppe für die Kulturrevolution“ gegründet und zum Kampf gegen „Konterrevolutionäre“ und „Vertreter des Kapitals“ aufgerufen wurde. Die vom Maoismus indoktrinierte Jugend wurde mobilisiert, um die Gesellschaft von „bourgeoisen und reaktionären Elementen“ zu säubern.

Nach der vorausgegangenen Hungersnot durch den verheerenden „Großen Sprung nach vorn“ (1958-59) mit geschätzt 20 bis 45 Millionen Toten hatte Mao Tsetung an Macht eingebüßt, mit der ideologischen Hetzjagd entledigte er sich seiner Gegner. Besonders in den Anfangsjahren machten jugendliche Horden als „Rote Garden“ Jagd auf Feinde des „Großen Vorsitzenden“.

Kinder denunzierten ihre Eltern. Freunde schwärzten einander an. Intellektuelle wurden gefoltert, ermordet oder begingen Selbstmord. Rotgardisten brachen in Häuser ein, zerstörten alles, was mit „Kultur“ zu tun hatte. Die Losung lautete: „Zerschlagt die Vier Alten“ – alte Denkweisen, alte Kultur, alte Gewohnheiten und alte Sitten. Im Namen der Revolution war alles erlaubt.

Als er die Jugendlichen nicht mehr brauchte, schickte Mao Tsetung die Armee. Millionen wurden zur Umerziehung aufs Land geschickt. Die Verfolgung wurde durch Staatsakteure wie Milizen und Militär fortgesetzt. Die Kulturrevolution endete erst mit dem Tod des „Großen Steuermanns“ 1976. Später urteilte die Partei, Maos Handeln sei „zu 30 Prozent schlecht und zu 70 Prozent gut gewesen“.

Die Hauptschuld für die Kulturrevolution wurde den Ultralinken der „Viererbande“ um seine Frau Jiang Qing zugeschoben. Allgemein ist in China von einer „zehnjährigen Katastrophe“ die Rede, aber bis heute fehlt eine ehrliche Aufarbeitung. Täter und Opfer leben oft noch nebeneinander, aber auch die Kommunistische Partei müsste ihre Schuld eingestehen, was ihre Herrschaft destabilisieren dürfte.

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