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Argumente gehen im Chaos unter Frauke Petry redet sich bei Anne Will in Rage

Von Stefanie Witte


Osnabrück. Bei Anne Will flogen am Sonntagabend die Fetzen. Ein ganz Linker neben einer ganz Rechten, ein Minister und zwei Wissenschaftler: Die Talkshow-Mischung explodierte zum Schluss erwartungsgemäß in einem Chaos aus persönlichen Angriffen, hastigen Themenwechseln und Durcheinanderreden.

Während vier Talkshow-Gäste immerhin zu Beginn der Sendung noch vermeintlich abgeklärt auftraten, redete sich eine offenbar bis zum Anschlag angespannte AfD-Vorsitzende Frauke Petry schon in den ersten Minuten in Rage. Kernaussage: „Wir brauchen kein Integrationsgesetz.“ Es müsse vielmehr um geregelte Einwanderung, besser noch Abschiebung von Migranten gehen.

Migrationsforscher Ruud Koopmans empfahl, die Flüchtlinge im Land zu behalten, die auf Dauer nützlich seien. Linken-Politiker Dietmar Bartsch parierte: „Wir haben in Deutschland das Recht auf Asyl und das kennt keine Grenzen. Und jetzt haben wir hier eine reine Nützlichkeitsdebatte.“

„Was erzählen sie da Frau Petry?“

Nächster Themenblock: Ist der Islam ein Hindernis für die Integration? Migrationsforscher Ruud Koopmans sagte: „Man muss die Frage beantworten, warum die Einwanderer aus muslimischen Ländern ganz unten im Arbeitsmarkt zu finden sind.“ Diese Frage beantwortete der niederländische Forscher – natürlich – mit der Religion. Muslime hätten zum Beispiel im Schnitt nur wenig soziale Kontakte außerhalb der religiösen Community. Vorlage für Petry. Die setzte noch einen drauf: Für Muslime seien religiöse Regeln wichtiger als staatliche, Allah sei für Muslime das höchste, Christen jedoch hätten mit Allah kein Problem... „Was erzählen sie da Frau Petry?“, unterbrach Islamlehrerin Kaddor den Redeschwall. Später hielt Anne Will der AfD-Politikerin – leider etwas verspätet – eine Bertelsmann-Studie vor, wonach 90 Prozent der hochreligiösen Sunniten in Deutschland die Demokratie befürworteten.

„Nodafrikaner wenig erfolgreich“

Da sich die beiden Frauen nicht einig wurden, griff Bundesinnenminister Thomas De Maizière ein: Bei der Integration komme es vor allem darauf an, wie erfolgreich ein Flüchtling in seinem Heimatland war. Viele Flüchtlinge seien in ihrer Heimat nicht erfolgreich gewesen, vor allem Nordafrikaner. De Maizières Fazit: „Syrer sind sicherlich auch schwerer zu integrieren als Türken, aber auch leichter als Nordafrikaner.“ Das sah Linken-Politiker Dietmar Bartsch anders: „Ich finde, es ist ein hohes Maß an deutscher Arroganz von den Syrern zu reden.“

Letzter Punkt: Islamunterricht

In ihrem Programm fordert die AfD Ethik- statt Islamunterricht. Gilt die Forderung auch für Christen? Frauke Petry meint: Ja. „Ich glaube, dass die Kirchen für ihren Bekennungsunterricht letztlich selbst verantwortlich sind.“ CDU-Mann De Maizière hielt naturgemäß dagegen und erklärte dann, dass es mit einem Muezzinruf in Deutschland, den die AfD verbieten will, grundsätzlich keine Probleme geben werde: Es gebe schließlich das Emissionsschutzgesetz. Lacher im Publikum.

Zum Schluss versank die Runde in Zickenkrieg und Chaos. Petry empfahl Kaddor in Sachen Integration: „Sie müssen überlegen oder Ihre Religionsgemeinschaft muss überlegen...“ Was genau da zu überlegen sei, ging im allgemeinen Trubel unter und Anne Will gab ab an die Tagesthemen.

Die Gäste:

  • Frauke Petry (AfD), Parteichefin
  • Thomas de Maizière (CDU), Bundesinnenminister
  • Dietmar Bartsch (Die Linke), Fraktionsvorsitzender im Bundestag
  • Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin
  • Ruud Koopmans, Migrationsforscher

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