70.000 Tiere im Sommer abgegeben Tierschutzbund: Jedes zweite Tierheim steht vor der Pleite

Von Dirk Fisser | 01.09.2015, 06:56 Uhr

Jedes zweite Tierheim in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes von der Pleite bedroht. Das Geld reiche nicht für dringend notwendige Sanierungen, sagt Verbandspräsident Thomas Schröder. Er fordert finanzielle Soforthilfe. Und: Allein in den vergangenen Sommerwochen hätten die Heime 70.000 Fundtiere aufnehmen müssen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Schröder: „Wir brauchen ein Sofortprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro, um dringend notwendige Baumaßnahmen umzusetzen.“ Dabei griff er vor allem die Kommunen scharf an: „Jährlich nehmen sie rund 300 Millionen Euro allein durch die Hundesteuer ein, die eben nicht zweckgebunden ist. Daher werden davon die Dienstwagen des Bürgermeisters finanziert, nicht aber neue Hunde- oder Katzenzwinger in Tierheimen.“ (Weiterlesen: Das sind die Ladenhüter im Tierheim Osnabrück) 

„Heime stehen vor Kollaps“

Städte und Gemeinden kämen ihren finanziellen Verpflichtungen bei Fundtieren nur ungenügend nach. „Mittlerweile sind die Geldreserven vieler Trägervereine aufgebraucht, die Heime stehen vor dem Kollaps“, so der Verbandspräsident.

70.000 Tiere im Sommer aufgenommen

Gerade die Sommerferien hätten die Situation in vielen Bundesländern noch einmal verschärft. Überall seien Tiere von ihren Besitzern abgegeben oder ausgesetzt worden und müssten nun untergebracht werden. Die mehr als 500 Tierheime, die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen sind, hätten allein in den Sommerwochen rund 70.000 neue Tiere aufgenommen. (Weiterlesen: Zu viel Nachwuchs: Tierheime befürchten Katzenschwemme) 

Auch Exoten wie Skorpione abgegeben

Schröder sprach von einer „riesigen, zusätzlichen Herausforderung.“ Neben Hunden und Katzen gelte das auch für Exoten. „Das fängt bei der Schildkröte an und hört bei giftigen Tieren wie Skorpionen auf.“ Auch die müssten artgerecht einquartiert werden, so Schröder. „Das kostet Geld, das wir nicht haben.“

Tierschutzbund fordert Soforthilfeprogramm

Schröder forderte Bund, Länder und Kommunen auf, ein Soforthilfeprogramm aufzulegen. „Dabei geht es nicht nur um die Tiere, sondern auch um Arbeitsplätze“, sagte der Verbandspräsident. Im Schnitt arbeiteten in einem Heim zehn Festangestellte und zahlreiche Ehrenamtler. (Weiterlesen: 74 Hunde von Bad Essener Hof gerettet) 

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