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14.04.2016, 18:07 Uhr TV-FRAGESTUNDE

Putin stellt sich dem Volk - Tür zum Westen ist offen

Ein Kommentar von Marion Trimborn


Der russische Präsident Wladimir Putin nach seiner jährlichen Bürgersprechstunde im Fernsehen. Foto: AFPDer russische Präsident Wladimir Putin nach seiner jährlichen Bürgersprechstunde im Fernsehen. Foto: AFP

Osnabrück. Einmal im Jahr stellt sich der russische Präsident Putin dem Volk. Das Land steckt tief in der Krise - da muss Putin Optimismus verbreiten. Gegenüber dem Westen schlägt er moderate Töne an - das ist ein gutes Zeichen.

Es ist die Klagemauer des kleinen Mannes. Wenn Russlands Präsident Putin einmal im Jahr zum „heißen Draht“, der Bürgersprechstunde im russischen Fernsehen , bittet, dürfen die Bürger sich beschweren. Auch wenn die Fragen handverlesen sind - sie zeichnen ein erstaunlich realistisches Bild von Russland.

Einem Land in der Wirtschaftskrise, mit Schlaglöchern auf den Straßen, hoher Inflation, sinkenden Löhnen und teuren Medikamenten. Wo laut Umfragen ein Drittel der Russen kein Geld hat, um sich ausreichend Essen und Kleidung zu kaufen. Niedrige Ölpreise, Misswirtschaft sowie westliche Sanktionen gegen Moskau im Ukraine-Konflikt drücken auf die Stimmung, die „grau“ ist, wie Putin einräumt.

Natürlich nutzt der russische Präsident wenige Monate vor den Parlamentswahlen im September die Sendung auch, um sich als Problemlöser und Kümmerer zu inszenieren.

Doch anders als in früheren Jahren bleibt Putin mit Kritik am Westen zurückhaltend. Er kritisiert die Türkei nicht mehr als nötig. Und findet lobende Worte für US-Präsident Barack Obama - ein gutes Zeichen. Putin signalisiert Offenheit, von Großmacht zu Großmacht. Der Westen sollte auf ihn zugehen - auch um die Krisen in der Welt zu lösen.


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