Professor: Neue Tätertypen „Am Tag Terrorist und nachts Schmuggler“

Sieht enge Verbindungen zwischen Terror und organisierter Kriminalität: Prof. Arndt Sinn von der Universität Osnabrück Foto: Gert WestdörpSieht enge Verbindungen zwischen Terror und organisierter Kriminalität: Prof. Arndt Sinn von der Universität Osnabrück Foto: Gert Westdörp

Berlin. Der Osnabrücker Rechtswissenschaftler Prof. Arndt Sinn hat angesichts fließender Grenzen zwischen Terrorismus und organisierter Kriminalität neue Sicherheitsstrategien gefordert.

Die strikte Trennung zwischen Terror und Bandenkriminalität sei veraltet. Eine neue Standortbestimmung sei angesichts wachsender Bedrohung „überfällig“, sagte Sinn bei der Vorstellung einer Studie gestern in Berlin. Aktuell hätten es die Strafverfolgungsbehörden mit „hybriden Gruppierungen“ zu tun, die extrem flexibel seien und zur Finanzierung von Terroranschlägen organisiert Straftaten begingen. „Tagsüber Terrorist und nachts Zigarettenschmuggler“ – so sehe der neue Tätertyp aus. Am Beispiel der militanten Terrorvereinigung IS sei zu sehen, wie eng die Symbiose sei und wie die Geldbeschaffung funktioniere.

Millionenschaden

Auch hätten sich neue Märkte aufgetan. „Gefälschte Arzneimittel sind das neue Kokain“, erklärte Sinn, Professor für Deutsches und Europäisches Straf- und Strafprozessrecht in Osnabrück. Darauf müssten die Strafverfolger ebenfalls reagieren. Nach Angaben von Sinn können Straftäter heute mit einem Kilo gefälschten Viagras über 90 000 Euro verdienen. Die Gewinnmarge für Kokain liege auf dem illegalen Markt bei etwa 60 000 Euro pro Kilo. Die Zahl der Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität bezifferte er auf 571 im Jahr 2014. 8700 Täter hätten einen Schaden von 539 Millionen Euro verursacht. Zu 32 Prozent gehe es dabei um Drogendelikte.


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